Tennis: Beim VfL spielt eine Weltmeisterin

Tennis: Im Sog von Cheftrainer Daniel Merkert wechselte Stefanie Kolar nach Sindelfingen, die jetzt in Miami bei den ITF-Senioren 40 den Mixed-Titel gewonnen hat

Im letzten Einzel fährt es Stefanie Kolar in die Wade. Klare Sache, das ist keine Lappalie. Die Diagnose lässt nicht viel Spielraum. Eine Muskelfaser ist angerissen, das Turnier scheint für die Sindelfingerin gelaufen. Ein paar Tage später trägt sie besonderen Schmuck: WM-Gold aus Miami baumelt an ihrem Hals.

Damit spielt ab sofort eine echte Weltmeisterin auf der Tennisanlage an der Rosenstraße. Für den VfL Sindelfingen ist Stefanie Kolar ein Glücksfall. „Sie kam von sich aus auf uns zu“, sagt die Abteilungsleiterin Dr. Alexandra Zürn, die über ihre Spielerin nur lobende Worte findet. „Sie bringt sich komplett ins Team und in den Verein ein. Sie hilft ihren Mitspielerinnen und ist für mich immer eine zuverlässige und kompetente Ansprechpartnerin.“

Den Weg zum VfL fand sie bildlich gesprochen im Windschatten von Daniel Merkert. Als der heutige Cheftrainer vor einem Jahr die Nachfolge von Eva Birkle-Belbl und deren Mann Matthias Birkle, die acht Jahre für die sportlichen Geschicke in Sindelfingen verantwortlich waren, antrat, sprach sich das schnell bis zur gebürtigen Reutlingerin Stefanie Kolar herum. Kurze Zeit später war der VfL um eine Spielerin reicher, die auch heute noch die deutsche Rangliste der Damen 40 anführt.

Immer im Dienst der Mannschaft

Stefanie Kolar fühlt sich wohl in Sindelfingen und profitiert auch von den kurzen Wegen. Vom Zuhause in der Parkstraße ist es ein Steinwurf bis auf die Tennisanlage in der Rosenstraße, und auch im Städtle ist sie ruckzuck. Auf dem Platz machte sich das alles bezahlt. „Vor allem, weil sie sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. Sie pocht auf keine Position, sondern spielt da, wo sie für das Team am wertvollsten ist“, sagt Alexandra Zürn. Am Ende einer starken Runde steht für den VfL der Aufstieg in die Regionalliga und für Stefanie Kolar der Titel der Deutschen Meisterin 40.
Zu den Senioren-Weltmeisterschaften der Internationalen Tennis Föderation (ITF) mit ihren 210 nationalen Mitgliedsverbänden reist Stefanie Kolar deshalb als Kapitänin der deutschen Damen 40 in den US-Sonnenstaat Florida. Mit der Mannschaft belegt sie den sechsten Platz. Dann wird es geradezu dramatisch. In ihrem letzten Einzel zwingt sie die Muskelverletzung in der Wade in die Knie und somit zur Aufgabe. Nachdem sich zuvor schon ihre Partnerin im Doppel verletzt hatte, waren auch hier erst einmal alle Träume geplatzt.

Ab jetzt spielen Tape, Eis und Massagen die wichtigste Nebenrolle im Turnier von Stefanie Kolar. Der Mixed-Wettbewerb ist der Strohhalm, nach dem die Rechtshänderin greift. Unter Schmerzen und mit täglicher Physiotherapie kämpft sich die Sindelfingerin durch die einzelnen Matches und steht am Ende an der Seite von Marcus Hilpert im Finale gegen den Inder Nitten Kirrtane und Vlada Kirilovska aus Lettland. Der erste Satz wird mit einem 15:13 zum Krimi, der zweite mit dem 6:2 zur klaren Sache – und am Ende darf sich Stefanie Kolar Weltmeisterin nennen.

Egal wie es steht, du hast immer noch eine Chance zu gewinnen – das ist es, was Tennis für Jürgen Wegner besonders faszinierend macht. Sein eigenes Spiel bezeichnet er dagegen als hoffnungslos.

 

Bild: An der Seite von Marcus Hilpert – er ist Holländer mit deutschem Pass – holt Stefanie Kolar Mixed-Gold bei der Senioren-WM in der Altersklasse 40. Bilder: z

Quelle: SZBZ Online