Schwimmen: Wie ein Anruf das Leben verändert

Peter Lemesch gefällt es in Solothurn. Die Altstadt des Schweizer Ortes hat es ihm besonders angetan, es gibt schöne Cafés, er wohnt mittendrin und hat nur einen kurzen Weg zu seinem Arbeitsplatz, das Hallenbad in der Sternengasse. Dort betreut er die Schwimmer der Swim Regio Solothurn.

So ging es drei Jahre lang, von 2013 bis 2016 war der heute 38 Jahre alte Peter Lemesch als hauptberuflicher Schwimmtrainer in Solothurn tätig. Er pendelte regelmäßig zwischen der Schweiz und Reutlingen, seinem Heimatort. Seine Frau Katrin wohnte dort während seiner Zeit im Nachbarland. So sollte es aber nicht weitergehen, es war geplant, dass sie in die Schweiz zieht, zumal sie schwanger war. Anfang dieses Jahres brachte sie einen Sohn zur Welt.

Doch dann kam alles anders. Denn dann kam der VfL Sindelfingen ins Spiel: „Anfang dieses Jahres haben mich die Sindelfinger erstmals kontaktiert“, sagt Peter Lemesch. Christoph Schönleber und Reiner Schneider haben die Gespräche seitens der Schwimmabteilung des VfL geführt. Die Sindelfinger suchten einen Nachfolger für Peter Dlucik, der über drei Jahrzehnte hinweg Coach beim VfL war und die Abteilung maßgeblich und nachhaltig geprägt hat. „Ich war relativ überrascht über die Anfrage“, sagt Lemesch, der zu diesem Zeitpunkt konkrete Pläne für das Leben in der Schweiz in der Tasche hatte. „Ich habe mich in Solothurn sehr wohl gefühlt, es lief hervorragend“, sagt der 38-Jährige.

Die Bedingungen in Sindelfingen seien aber super: Das Badezentrum mit seiner 50-Meter-Strecke, der Kraftraum, das Klostergarten Hallenbad mit Turnhalle. „Ausschlaggebend für mich, das Angebot des VfL anzunehmen, waren diese Arbeitsmöglichkeiten und natürlich die Familie“, sagt Lemesch, der nun wieder mit seiner Frau und seinem Sohn in Reutlingen wohnt.

„Wir haben einen jungen und engagierten Trainer gesucht, der die moderne Trainingsmethodik mitbringt“, sagt Reiner Schneider, Leistungssportreferent der Schwimmabteilung des VfL, „wir haben einen Trainer gesucht, der den Verein und das Umfeld kennt. Die Schwimmabteilung ist sehr erfolgreich, vieles ist bei uns aber sehr familiär.“ Peter Lemesch kennt den Verein, er schwamm in jungen Jahren etwa eineinhalb Jahre für die Sindelfinger. Reiner Schneider: „Uns war die Mentalität des Trainers sehr wichtig. Schwimmer absolvieren sehr viele Einheiten, der Spaß darf dabei nicht zu kurz kommen. Die Schwimmer müssen gerne zu uns kommen, das Mannschaftsgefüge muss passen. Peter Lemesch ist sehr motiviert, und er hat eine sehr hohe sportliche Kompetenz.“ Die Schwimmabteilung legt zudem viel Wert darauf, dass die Kommunikation des Cheftrainers mit den anderen Übungsleitern sehr eng ist, dass sie sich austauschen. „Peter Lemesch führt den Trainerstab gut. Sofern man das nach der kurzen Zeit sagen kann, erfüllt er unsere Erwartungen“, sagt Schneider.

Peter Lemesch hat in seiner Jugend aktiv Fußball gespielt, und er ist geschwommen. Er musste sich zwischen beiden Sportarten entscheiden und hat auf Schwimmen gesetzt. Er war für die SSG Reutlingen/Tübingen aktiv, als Jugendlicher war er bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften wiederholt Finalist. Delfin war seine Hauptlage.

2004 begann er bei der SSG als Trainer. „Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, mit den Jungs und den Mädchen zu trainieren. Damals habe ich schon gedacht, dass könnte mein Beruf sein“, erklärt Lemesch, der nach dem Fachabitur und dem Zivildienst zunächst Energie- und Recyclingmanagement studiert hat, schnell aber erkannte, dass er für einen Bürojob nicht geeignet ist. 2013 ergab sich die Chance, als hauptberuflicher Schwimmtrainer in die Schweiz zu wechseln. „Das ist mein Traumjob“, so Lemesch.

Seit drei Monaten darf er diesen „Traumjob“ beim VfL ausüben. Peter Lemesch ist „sehr zufrieden“ damit, wie sich die Arbeit angelassen hat. Das gelte für die Zusammenarbeit mit den Schwimmern und dem Trainerstab ebenso wie für die Zusammenarbeit mit der Abteilungsführung. Lemesch: „Mein Ziel ist es, die jungen Schwimmer weiterzuentwickeln, auf der sportlichen Ebene, aber auch menschlich. Wir wollen auf nationaler Ebene eine schlagkräftige Truppe haben.“ Wie lange er bleiben wird, ist offen. Der Verein jedenfalls hofft auf eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit, der Vertrag ist unbefristet.

Peter Lemesch am Beckenrand des Sindelfinger Badezentrums. Der 38-jährige Trainer kommt bei den VfL-Schwimmern bisher sehr gut an. Bild: Oberdorfer

Quelle: SZ-BZ Online