Leichtathletik: Vor der Haustür: Angriff auf die Medaillen

Leichtathletik: Paul Specht hat am Samstag bei den deutschen Cross-Meisterschaften rund ums Sindelfinger Freibad ein Heimspiel

Seinen bislang größten Erfolg konnte er vor gut zwei Wochen feiern. In Neubrandenburg lief Paul Specht seinen Altersgenossen davon und kürte sich über die 3000 Meter souverän zum deutschen Jugendmeister. Auch bei den deutschen Crossmeisterschaften am Wochenende will der 17-Jährige angreifen, schließlich findet der Medaillenkampf diesmal direkt vor der Haustüre, am Sindelfinger Freibad statt.

Für seine 17 Jahre hat der Sindelfinger Leichtathlet schon eine Karriere im Leistungssport erlebt, die bemerkenswert ist. Bis vor zwei Jahren galt Specht als hochtalentierter Fußballer, die Leichtathletik lief er nebenher, vor allem um die Ausdauer zu verbessern. Beim VfB Stuttgart trieb er seine Fußball-Karriere voran, die beim GSV Maichingen begonnen hatte und schon damals etliche Stationen zählte. „Am Anfang bin ich nur ins Leichtathletiktraining gegangen, um meine Schnelligkeit zu verbessern. Als Achtjähriger habe ich in der Leichtathletikschule Speedy angefangen.“

Früh hat sich der VfL-Athlet deswegen an harte Trainingseinheiten gewöhnt und absolvierte schon in den ersten Teenagerjahren Umfänge von bis zu fünf Mal Fußballtraining pro Woche, plus zusätzliches Leichtathletiktraining. Auf dem Platz fiel er insbesondere durch seine Ausdauer auf. „Ich war der mit der Pferdelunge“, sagt Specht rückblickend. Sein Talent wurde schnell auch unter den Leichtathleten offensichtlich, spätestens als er dank einer Freistellung des VfB Stuttgart an den deutschen U16-Meisterschaften in Bremen teilnehmen durfte. Das war im Jahr 2017, sein 3000-Meter-Rennen gewann er scheinbar mühelos und sammelte den ersten Meistertitel. Trotz des Erfolgs: Der Fußball hatte weiter Vorrang. Als Paul Specht allerdings weniger zum Einsatz kam, in der Leichtathletik aber 2018 in den Nationalkader rückte, begann das Umdenken. „Ich habe viel mit meinem Eltern und meinem Leichtathletiktrainer Harald Olbrich diskutiert und wir haben beschlossen, das Laufen in den Fokus zu nehmen.“

Fortan spielte er nach einem Wechsel nach Reutlingen zwar weiter Fußball, investierte aber mehr Zeit in das Leichtathletiktraining. „Die Fokussierung hat sich ausgezahlt, das haben die Erfolge gezeigt, jetzt bin ich in meinem zweiten Trainingsjahr voll bei den Leichtathleten“, sagt der 17-Jährige, der auch bei den anstrengendsten Einheiten mit viel Spaß bei der Sache ist. „Am liebsten mag ich eigentlich Tempoläufe, egal ob extensiv oder intensiv, wenn man in den Läufen alles gibt und dann viel Pause dazwischen hat.“ Das intensive Arbeiten in der Saisonvorbereitung zahlte sich in diesem Winter schon mehrfach aus. Zuerst qualifizierte sich Specht für die Cross-Europameisterschaften Anfang Dezember in Lissabon, sein bislang größtes Sporterlebnis: „Ich stand in der Startbox neben dem norwegischen Laufstar Jakob Ingebrigtsen, die Kamera ist vorbeigefahren und ich wusste ich bin jetzt im Livestream zu sehen, ich war ultra aufgeregt“, sagt Specht. Beim Indoor Meeting in Karlsruhe der nächste Höhepunkt: Der Sindelfinger lies im Junioren-Lauf über die 1500-Meter-Strecke viele starke und deutlich ältere Athleten hinter sich und siegte in neuer Bestzeit von 3:50,95 Minuten. Mit viel Selbstbewusstsein reiste Specht dann, zum ersten Mal in der Favoritenrolle zu den deutschen Jugendhallenmeisterschaften in Neubrandenburg.

An diesem Wochenende steht für ihn der letzte Höhepunkt des Winters an: Die deutschen Crosslauf-Meisterschaften. Für Specht ein Heimspiel, denn die Route verläuft im Sindelfinger Freibad. „Es wird spannend. Ich denke es gibt tiefes Geläuf, es hat viel geregnet und je später man läuft, desto schlimmer wird es. Ich muss sehen, wie ich damit zurecht komme“, sagt Paul Specht, der als eher schwerer Läufer bei tiefem Matschboden einen Nachteil hat. Die Konkurrenz ist groß. Ab Mitte März beginnt dann die heiße Phase der Vorbereitung auf die Freiluftsaison. Ein Trainingslager steht an, dazu viele Trainingseinheiten und bis zu 120 Kilometer Laufen pro Woche. Es ist viel Zeit, die Paul Specht in sein Hobby investiert, von seiner Schule dem Gymnasium Unterrieden wird der Elftklässler dabei bestmöglich unterstützt. In einem Pilotprojekt streckt er die Oberstufe und wird erst in seinem 13. Schuljahr Abitur schreiben. Für die Freiluftsaison hat sich Paul Specht indes viel vorgenommen, der Fokus wird voraussichtlich auf den 3000 Metern liegen, der 17-Jährige träumt von einer Qualifikation für die Jugend-Weltmeisterschaften in Nairobi. „Die geforderte Norm ist wirklich hart, es wird ein Haufen Arbeit sie zu knacken, aber jeder Läufer träumt davon, nach Kenia zu gehen und vor diesem Publikum zu laufen.“

Bild: Nr. 449: Paul Specht, VfL Sindelfingen Sparkassen Cross Pforzheim (Huchenfeld, Gelände am Lohwiesenhof, 16.11.2019) Fotograf: Ralf Görlitz, Ginsterweg 10-2, 69469 Weinheim

Quelle: SZ/BZ-Online