Leichtathletik: Von der Bar auf die Bahn

Talentiert, schnell und mit einer Menge Selbstbewusstsein ausgestattet: Constantin Preis war der Durchstarter der vergangenen Leichtathletiksaison. Im kommenden Jahr wird er im blauen Trikot des VfL Sindelfingen an den Start gehen.

Das 400-Meter-Hürden-Ass aus Pforzheim ist indes kein Unbekannter bei den Blau-Weißen. Schon in der Hallensaison 2017 sprintete er gleich mehrmals wöchentlich im Sindelfinger Glaspalast, war er doch im Winter zu Trainer Sebastian Marcard gewechselt. Schnell feierte das Duo die ersten Erfolge. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften trumpfte Preis bei seinem Heimspiel im Glaspalast mächtig auf und flitzte noch im neonorangenen Pforzheimer Trikot über die zwei Hallenrunden zum deutschen Jugendmeistertitel über die 400-Meter-Strecke. Ein erster Fingerzeig, wohin die Reise des 19-Jährigen geht.

Preis, erst im Jahr 2011 mit seinen Eltern aus Moldawien nach Deutschland gekommen, hat keinen einfachen Weg hinter sich. Zum Zeitpunkt der Einwanderung sprach er kein Wort deutsch. Über die Haupt- und Realschule will er im kommenden Jahr sein Abitur machen. Im Schulsport wurde einst sein Talent entdeckt, in Pforzheim wurde er zuerst zum Zehnkämpfer ausgebildet, hatte sich in den vergangenen Jahren auf die Kurzhürdenstrecke spezialisiert. „Nachdem ich bei den deutschen Meisterschaften 2015 gestürzt bin, habe ich aber beschlossen, auf die Langhürden zu wechseln. Mit 1,80 Metern wäre ich einfach zu klein für die nächste Hürdenhöhe gewesen“, weiß Preis. Eine Verletzung bremste ihn 2016 aus, vier Monate lang musste er auf das Training verzichten, eine schwere Zeit.

„Mein Trainer Michael Haidt hat gesagt, ich kann das alles, aber wenn ich es nicht zeigen kann, macht es einfach keinen Spaß.“ Im folgenden Jahr kam dann unter Marcard der Durchbruch. Nach dem Erfolg im Winter wagte sich Preis im Frühjahr 2017 an erste Wettkämpfe über die Langhürden. In seinem allerersten Rennen siegte er bei den Landesmeisterschaften der Junioren. „Danach war ich unglaublich fertig und habe nicht gedacht, dass ich noch schneller laufen kann.“ Doch gleich im zweiten Lauf über die 400-Meter-Hürdenstrecke folgte der Paukenschlag: In Regensburg war der Nachwuchsmann 51,64 Sekunden schnell und knackte quasi auf Anhieb die Norm für die U20-Europameisterschaften in Grosseto. „Das war von Anfang an mein Ziel, der Lauf hat sich super angefühlt.“ Mit seinem Auftreten in Italien war Preis dann aber nicht zufrieden. Nach einem Rhythmusfehler schied er im Halbfinale aus, belegte aber dennoch einen ehrbaren zehnten Platz.

„Sein sportliches Talent kennt keine Grenzen. Er bringt alles mit, um international erfolgreich zu sein. Arbeiten muss er an seiner Belastungsfähigkeit – sowohl körperlich wie mental“, weiß Trainer Sebastian Marcard.
Aktuell steckt der Neu-Sindelfinger mitten im Aufbautraining und arbeitete ambitioniert an seinen Schwächen. „Meine Hürdentechnik muss noch besser werden. Ich hoffe, dass ich im kommenden Jahr noch einen Leistungssprung schaffen kann.“ Das große Ziel ist die 50-Sekunden-Marke. Typisch für den ehrgeizigen Athleten, dass er sogar mit den 49 Sekunden und der Norm für die Europameisterschaften der Aktiven in Berlin liebäugelt. „Das Ziel ist hoch angesetzt, aber ich habe noch viele Potenziale, bei der Hürdenüberquerung mit meinem schwächeren Bein verliere ich eine halbe Sekunde, und das an insgesamt fünf Hürden.“
Außerdem kann sich Preis nach seinem Wechsel zum VfL besser auf den Sport konzentrieren: „Bislang habe ich an den Wochenenden immer als Barkeeper gearbeitet, um mir den Sprit, den ich brauche, um nach Sindelfingen ins Training zu fahren, leisten zu können. Das war für Wettkämpfe und Training nicht optimal.“ Mit der Unterstützung des VfL Sindelfingen im Rücken will der talentierte Nachwuchsmann in seinem ersten Juniorenjahr noch schneller durchstarten.
Ehrgeizige Ziele: Sindelfingens Neuzugang Constantin Preis. Bild: Drechsel

Quelle: SZ-BZ Online