Leichtathletik: Niko Kappel wechselt zum VfB Stuttgart

Leichtathletik: Der 25-jährige Para-Kugelstoßer verlässt den VfL Sindelfingen nach vier erfolgreichen Jahren und schließt sich seinem Herzensverein an

Anfang 2016 stellte sich beim VfL Sindelfingen ein ganz besonderer Neuzugang vor: Kugelstoßer Niko Kappel, der als junger Para-Sportler eine große Zukunft vor sich hatte. Nach vier erfolgreichen Jahren zieht es den Leichtathleten nun weiter, zu seinem Herzensverein dem VfB Stuttgart.

Dass sein erster Auftritt in Sindelfingen viel Aufmerksamkeit erzeugte, lag neben den starken Leistungen des Vorjahres als Vizeweltmeister von Doha und dem im Saisonverlauf erzielten neuen deutschen Rekord auch daran, dass der damals 20-Jährige aus der Masse der Kugelstoßer herausstach.

Kappel misst 1,40 Meter, der Gegensatz zu Disziplinkollegen und neuem Vereinskamerad Tobias Dahm mit einem Gardemaß von 2,03 Metern konnte kaum größer sein. Doch das Ziel war im Olympiajahr 2016 ein und dasselbe. Die Olympischen und Paralympischen Spiele standen bei beiden Trainingskollegen im Fokus. Und beide standen schließlich in Rio de Janeiro im Kugelstoß-Ring. Niko Kappel verließ den als Paralympicssieger und wurde über Nacht zur Berühmtheit. „Man musste auf den Tag fit sein, alles in den Wettkampf reinhauen. Für mich war es sehr unerwartet, dass ich meine Bestleistung um über 30 Zentimeter steigern konnte und den Weltrekordler geschlagen habe“, sagt Kappel.

Auch weil er das erste Gold der deutschen Mannschaft holte, war die öffentliche Aufmerksamkeit riesig. Ohne die Unterstützung eines Beraters prasselten Anfragen zu Auftritten, etwa bei Markus Lanz auf den Sindelfinger ein. „Ich habe das genossen und versucht, so viel wie möglich wahrzunehmen. Auch wenn es ein ganz schöner Spagat war zwischen meiner Arbeit halbtags in der Bank, meinem Training und den vielen Terminen.“

Gleich im Folgejahr sicherte sich Niko Kappel den Weltmeistertitel und ging auf die Jagd nach dem Weltrekord. Der liegt nun bei 14,30 Metern. Auch hier wird der Leistungssprung der letzten vier Jahre deutlich, wechselte Kappel doch mit einer Bestmarke von 12,85 Metern ins blau-weiße Trikot. Mit seinem Weltrekord krönte Kappel ein letztes schwieriges Jahre beim VfL Sindelfingen. „Das war eine kuriose Saison. Keine Ahnung, was ich zwischen April und Juni gemacht habe außer in meinem Keller trainiert“, lacht Kappel. Doch es folgte eine starke Wettkampfserie, auch wenn die Paralympischen Spiele in Tokio um ein Jahr verschoben wurden. „Ich habe mit meinem Trainer Peter Salzer viel an meiner Technik gearbeitet und das hat sich schnell in mehr Weite gezeigt.“

Im nächsten Jahr sollen nun die Paralympischen Spiele stattfinden und diesmal tritt der Neu-Stuttgarter als Favorit an. „Natürlich habe ich nun eine andere Erwartungshaltung und nach diesem Jahr ein entsprechendes Selbstvertrauen. Am wichtigsten ist es aber, dass der Wettkampf stattfindet und ich gesund bleibe.“ Abteilungsleiter Jürgen Kohler bedauert Kappels Vereinswechsel: „Es waren sehr erfolgreiche Jahre. Niko hat sich super entwickelt und hat als junger Sportler eine tolle Außenwirkung.“ Auch Kappel fällt der Abschied nicht leicht. „Aber als junger Fußballer und VfB-Fan habe ich immer schon geträumt, für den VfB Stuttgart an den Start zu gehen und nun habe ich mir meinen Kindheitstraum eben in einer anderen Sportart erfüllt.“ Als Mitglied der Freunde der Sindelfinger Leichtathletik wird Niko Kappel seinem alten Verein dennoch verbunden bleiben.

Quelle: SZ/BZ-Online