Leichtathletik: Langer Anlauf zum großen Ziel

Eine Premiere feiert Janina Dums. Die Sportlerin des VfL Sindelfingen nimmt mit ihren 23 Jahren zum allerersten Mal an einer deutschen Meisterschaft teil. In Dortmund tritt sie am Samstag über die 60-Meter-Strecke an. Bis zu diesem Start war es ein weiter Weg.

Als es im Dezember 2017, noch vor Beginn der großen Hallenwettkämpfe, geschah, konnte sie es selbst kaum fassen. Beim Stadtwerke Sindelfingen Nikolaussprint trat Dums zu einer ersten Standortbestimmung an und raste nach 60 Metern in 7,67 Sekunden ins Ziel. Nur Trainingskamerad Deniz Almas wusste Bescheid: „Er hat mir zugerufen, dass ich gerade die Norm für die Deutschen geknackt habe. Ich war vollkommen perplex und hatte mir davor gar keine Gedanken darüber gemacht“, erzählt Dums.

Bei ihrer starken Zeit aus dem Dezember blieb es nicht. Scheibchenweise steigerte sich die 23-Jährige Wettkampf für Wettkampf, zuletzt stellte sie bei den süddeutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende im Glaspalast eine neue Bestleistung von 6,61 Sekunden auf. Auch die neue 200-Meter-Bestzeit der VfL-Athletin kann sich sehen lassen. Um fast eineinhalb Sekunden steigerte sie ihre bestehende Bestmarke auf 24,84 Sekunden.

Die rasante Entwicklung der Sindelfingerin, die mit ihren 23 Jahren sicherlich nicht mehr zur Garde der Nachwuchsathleten gehört, bei denen extreme Steigerungen an der Tagesordnung sind, fußt auf einer einfachen Entscheidung: „Vor genau einem Jahr hat mich die Motivation wieder gepackt und ich wollte es noch einmal mit ganzer Konsequenz probieren“, sagt Dums. Die Sprinterin betreibt seit ihrem siebten Lebensjahr Leichtathletik, bis zu dieser Hallensaison konnte sie ihre größten Erfolge im Schüleralter feiern.

Als 14-Jährige wurde sie im Renninger Trikot Württembergische Meisterin und dritte der süddeutschen Meisterschaften. Dann wurde es still um die Sportlerin. „Ich habe aufs Wirtschaftsgymnasium gewechselt, wegen der vielen Nachmittagsschule hatte ich für das Training wenig Zeit, dazu kamen Fußprobleme“, erzählt Dums.

Immer Mal wieder startete sie einen neuen Anlauf, allerdings nie in letzter Konsequenz. Im Februar 2017 war sie gerade von einem Auslandssemester in Australien zurückgekehrt, als im Glaspalast die deutschen Jugendhallenmeisterschaften ausgetragen wurden. „Da kam die Lust wieder und ich habe mich ins Training gestürzt.“ Unter Trainer Peter Wiesner absolvierte sie einen langen Aufbau. In den meisten Sprint- und Laufeinheiten trat sie gegen ihre männlichen Kollegen an und wurde schneller und schneller.

„In dieser Saison bin ich dann endlich drangeblieben und habe das Training voll durchgezogen“, erzählt Dums. Und das mit vollem Erfolg: Zu ihren ersten deutschen Meisterschaften fährt die Sindelfingerin mit viel Selbstbewusstsein, auch wenn das Nervenflattern bereits heute eingesetzt hat: „Ich bin ziemlich nervös und weiß nicht, wie ich in der Nacht auf Samstag schlafen soll. Meine ganze Familie kommt zum Zuschauen“, sagt Dums. Sie hat sich vorgenommen, eine neue Bestzeit zu laufen. „Wenn ich viel Glück habe, schaffe ich es ja vielleicht in den Zwischenlauf.“

Das Team

Die Sindelfinger Mannschaft ist klein wie selten. Zahlreiche Rückschläge hatten die Blau-Weißen zu verzeichnen, eine Menge Athleten sind verletzt und können erst in der Freiluftsaison wieder ins Geschehen eingreifen. Mit Tobias Dahm befindet sich ein einziger heißer Medaillenkandidat in VfL-Reihen. Der 30-Jährige Kugelstoßer zeigte zuletzt eine aufsteigende Form und nimmt mit seiner Saisonbestleistung von 19,60 Metern Platz drei der deutschen Bestenliste ein. Im Hürdensprint können sich Sabrina Lindenmayer und Niklas Rippon mit schnellen Läufen Hoffnung auf das Finale machen. Einen Doppelstart plant Carolina Krafzik mit Meldungen über die 60-Meter-Hürden- und die 200-Meter-Strecke. Außerdem am Start ist John-Henry Tate, der über die 60 Meter exakt die DM-Norm erfüllen konnte.

Pfeilschnell: Janina Dums. Bild: Drechsel