Leichtathletik: Kopfüber in den Wassergraben

Quelle: SZ-BZ Online

Es sind diese Meisterschafts-Momente, die noch lange im Gedächtnis bleiben. Diese Minuten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, die Augenblicke der grenzenlosen Freude oder herben Enttäuschung. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Mönchengladbach waren sie spürbar, die großen Emotionen. Velten Schneider erlebte, als Favorit angereist, den bislang größten Rückschlag seiner Karriere.

Samstagabend im Grenzlandstadion. An der Startlinie zum 2000-Meter-Hindernisrennen stehen die Läufer der Altersklasse U18 aufgereiht, 17 sind es an der Zahl. Mittendrin: der Sindelfinger Velten Schneider, bis zu diesem Tag schnellster deutscher U18-Athlet in 2016. Er ist angetreten, um sich seinen ersten deutschen Meistertitel zu erkämpfen, mindestens aber eine Medaille.

Schneider hat sich seinen Plan genau zurechtgelegt. Erst hält er sich im Mittelfeld der Läufer auf, um Kräfte zu sparen, dann will er nach vorne gehen, keinen Konkurrenten weglaufen lassen. Nach einigen Runden startet Schneider die Aufholjagd und sammelt seine Gegner einen nach dem anderen ein. Dann kommt der verhängnisvolle Wassergraben. Das Sindelfinger Nachwuchs-Talent hat die Führenden fest im Blick, springt auf den Balken, verliert aber mit dem Schwungbein den Halt. Rutscht herunter und landet mit dem Kopf voraus im Wassergraben. Alles geht blitzschnell. Schneider taucht vollständig unter, rappelt sich wieder auf und macht sich, nass wie ein Pudel, an die Aufholjagd. „Der Sturz war schnell vorbei, ich war voller Adrenalin und bin gleich wieder zu den anderen aufgelaufen“, sagt Schneider.

Doch im Nachhinein weiß er: „Ich bin zu schnell wieder rangelaufen und war dann ziemlich platt, gerade wegen des heftigen Sturzes. Gegen Ende des Rennens habe ich dann realisiert, dass ich meine eigenen Erwartungen nicht erfüllen konnte und bin voll eingegangen.“ Am Ende wurde er Achter. Dennoch liegt hinter Velten Schneider eine mehr als starke Saison. Ende 2015 wechselte das Nachwuchs-Talent zum VfL Sindelfingen und trainiert seitdem intensiv unter Trainer Harald Olbrich, der ihn schon seit 2014 zeitweise betreut hatte.

„Rückblickend war es eine sehr zufriedenstellende Saison mit sieben Titeln bei den baden-württembergischen Meisterschaften. Nur das Sahnehäubchen fehlt eben, aber damit muss man leben“, sagt Schneider. In der kommenden Saison wird er der U20-Klasse angehören. „Da habe ich nichts zu verlieren, ich weiß nur noch nicht, über welche Strecke ich durchstarten will.“

Mit seinem Kopfsprung in den Wassergraben wollte Schneider seine Saison nicht beenden und so startete der Sindelfinger mit einer Menge Wut im Bauch Anfang August in Pfungstadt über die 1500-Meter-Strecke. Der 17-Jährige gab alles und lief in einer starken neuen Bestzeit von 3:58,43 Minuten ins Ziel. Damit belegt Schneider Platz vier in der deutschen Jugendbestenliste. „Damit bin ich über den Sturz bei den Deutschen hinweg und habe meine Saison beendet.“

Da war Velten Schneider (rechts) noch guten Mutes, kurze Zeit später stürzte er in den Wassergraben. Bild: Drechsel