Leichtathletik: “Die Medaillen mussten wir uns leider selber abholen”

Leichtathletik: Im Windschatten von Carolina Krafzik läuft Lisa Sophie Hartmann zu einer persönlichen Bestzeit und auf Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft

In einem furiosen Lauf schnappte sich am Sonntag Carolina Krafzik den zweiten deutschen Meistertitel ihrer noch jungen Karriere. Die Sindelfinger 400-Meter-Hürdenläuferin legte ein starkes Tempo vor und lief ungefährdet zum Sieg. Im Sog dahinter war Trainings- und Vereinskameradin Lisa Sophie Hartmann so schnell wie noch nie und gewann überraschend die Bronzemedaille.

Die SZ/BZ hat mit den beiden Medaillengewinnerinnen über das Rennen in Braunschweig, die besonderen deutschen Meisterschaften und die weiteren Pläne in diesem Jahr gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihren Leistungen vom Wochenende. Wie haben Sie das 400-Meter-Hürdenfinale erlebt?

Carolina Krafzik: „Für mich war es ein guter Lauf. Ich konnte bis zur sechsten Hürde meinen Fünfzehner-Rhythmus durchziehen und bin glücklich, dass ich eine 55er-Zeit laufen konnte, das hatte ich mir fest vorgenommen.“

Lisa Sophie Hartmann: „Auch für mich war das Finale sehr positiv. Ich bin zum ersten Mal überhaupt im Rhythmus geblieben und das sieht man dann eben gleich an der Zeit. Meine alte Bestleistung von 58,97 Sekunden stammt aus 2018, die habe ich jetzt um mehr als eine Sekunde verbessert. In den letzten Rennen davor habe ich immer Fehler gemacht, die dann eben Zeit kosten.“

Lisa Sophie Hartmann, wie sehr hilft es in einem solchen Rennen, wenn die Trainingskameradin vorneweg läuft?

Lisa Sophie Hartmann: „Wir pushen uns in jedem Training und Wettkampf. Es ist toll, die Einheiten gemeinsam machen zu können, das motiviert im Trainingsalltag ungemein. In Braunschweig war mein eigentliches Ziel in das Finale zu kommen. Aber dass ich bei meinen ersten deutschen Meisterschaften bei den Aktiven gleich eine Medaille gewinne, hätte ich nicht erwartet.“

Wie waren die Bedingungen in Braunschweig, wie läuft es sich in einem so aufgeheizten Stadion?

Carolina Krafzik: „Es war schon ziemlich heiß. Zum Glück hatten wir auf dem Aufwärmplatz ein wenig Schatten, dann bin ich mit einem nassen Handtuch im Nacken ins Stadion marschiert und dort stand dann die Hitze, aber ich bin fokussiert geblieben.“

Wie haben Sie die Situation rund um die Meisterschaften ohne Zuschauer und mit Hygienekonzept erlebt?

Carolina Krafzik: „Man muss wirklich sagen, dass das in Braunschweig super funktioniert hat. Wir sind mit dem Mundschutz im Callroom gesessen und das natürlich mit Abstand und in zwei Zelten mit jeweils vier Athletinnen. Auf dem Weg ins Stadion haben wir auch Mundschutz getragen. Natürlich war der Vergleich zu den deutschen Meisterschaften im letzten Jahr mit den vielen Zuschauern in Berlin extrem. Aber auf ein leeres Stadion waren wir vorbereitet. Im Vorlauf habe ich das noch eher wahrgenommen, im Finale hatte man sich schon daran gewöhnt. Umarmen ging natürlich im Ziel auch nicht, aber auch so haben wir uns sehr füreinander gefreut.“

Lisa Sophie Hartmann: „Schade war, dass es keine Siegerehrung gab, wir mussten unsere Medaillen selbst abholen.“

Wie sieht denn eure weitere Saisonplanung aus? Viele Athleten versuchen noch einige Wettkämpfe zu absolvieren.

Carolina Krafzik: „Da kann ich für uns beide sprechen: Wir beenden die Saison und machen Urlaub. Im September starten wir dann wieder mit dem Aufbau in das Olympiajahr.“

Lisa Sophie Hartmann: „Der Fokus liegt auf dem nächsten Jahr. Ich gehöre dann noch zur Altersklasse U23 und will mich bei den deutschen Juniorenmeisterschaften gut präsentieren. Außerdem finden in Norwegen die Junioren-Europameisterschaften statt. Die Norm beträgt 58,10 Sekunden, diese Zeit müsste ich im nächsten Jahr nochmal laufen, aber nach dem Lauf vom Sonntag ist klar, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

Bild: BAU// 09.08.2020 Braunschweig , Deutsche Leichtathletik Meisterschaften, 400m Hürden Frauen Finale : 3v.l. Carolina Krafzik / VfL Sindelfingen

Quelle: SZ/BZ-Online