Leichtathletik: Die Frohnatur spürt keinen Druck

Leichtathletik: Hürdenläuferin Carolina Krafzik vom VfL Sindelfingen geht die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig am Wochenende mit der nötigen Lockerheit an

Mit den beiden Hürdenläufern Constantin Preis und Carolina Krafzik sowie Kugelstoßer Simon Bayer schickt der VfL Sindelfingen drei Titelverteidiger zu den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften (8./9.August) nach Braunschweig. Die 25-Jährige war 2019 die Aufsteigerin der Saison.

Carolina Krafzik (VfL Sindelfingen) sitzt mit ihrem Trainer Werner Späth auf der Tribüne des Floschenstadions. Ihre Blicke schweifen über die rote Bahn in Richtung Braunschweig. Dort geht die kleine Hürdenläuferin aus Niefern (bei Öschelbronn) am 9. August als Titelverteidigerin an den Start. Krafzik war 2019 die Aufsteigerin der Saison. Mit einer Steigerung um zwei Sekunden holte die 25-Jährige im Berliner Olympiastadion vor über 30 000 Zuschauern mit 55,64 Sekunden ihren ersten Deutschen Meistertitel.
„Caro war die Überraschung des Jahres“, freute sich auch Bundestrainer Volker Beck. Gemeinsam fuhren sie zur WM nach Katar, wo die Sindelfingerin ins Halbfinale und damit weltweit unter die besten 24 Läuferinnen vorstieß. „Einmal für Deutschland zu starten, das war immer mein Traum“, strahle sie in den Katakomben des Khalifa-Stadions.
Carolina Krafzik ist eine Frohnatur über die Hürden, lebensbejahend, und schon seit über 20 Jahren mit ihren sportlichen Eltern auf der Kunststoffbahn zuhause. Ihren Durchbruch schaffte sie 2018 mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. In Doha ging sie lächelnd von der Bahn. Und das, obwohl die 400 Meter Hürden eine der härtesten Disziplinen der Leichtathletik sind. „Nach den 400 Metern dauert es zehn Minuten, bis ich wieder aufstehen kann“, sagt sie. Laktat in den Muskeln, die Lunge leergepumpt, das ist das Los der 400 Meter-Läuferinnen.
An der Dorfschule in Wimsheim absolviert sie derzeit ihr Referendariat zur Grundschullehrerin, für den Leitungsspot auf zwei Jahre gedehnt. In Coronazeiten hat sie danach geschaut, dass ihre Schülerinnen motorisch nicht zu kurz gekommen sind. Mit Video-Clips zum Seilspringen und Robeskipping hat Carolina Krafzik ihre Dritt- und Viertklässler für zuhause auf Trab gehalten.
In Braunschweig schauen viele Auge auf die Titelverteidigerin aus Sindelfingen. „Ich werde in Braunschweig ohne Druck an den Start gehen“. Trainer Werner Späth, der schon viele solche Athleten auf Höhepunkte vorbereitet hat, ist durchaus optimistisch. „Caro ist läuferisch sehr gut drauf, an der Rhythmisierung zwischen den Hürden müssen wir noch feilen“. Späth jedenfalls ist ein Fuchs, der bis zuletzt seine Athleten körperlich und mental auf Vordermann bringt. Der Härtetest in Regensburg über 400 Meter flach und 400 Meter Hürden verlief vielversprechend.

In Regensburg lief sie die 400 Meter flach erstmals unter 53 Sekunden (52,82) und deutete an, dass damit auch über die Hürden wieder einiges möglich ist. Im Rückblick auf Corona hat der Trainer nach der Olympia und EM-Absage ein Motivationsloch festgestellt, „weil man nicht wusste, wofür man eigentlich trainiert“. Während die Athleten im Osten und in Berlin mit Sondergenehmigungen trainieren konnten, waren Hallen und Stadien in Baden-Württemberg dicht. Training im Wald war für die Hürdensprinter nicht einfach, bei der Rückkehr auf die Kunststoffbahn gab es zunächst harte Beine und Muskelkater. Doch die Corona-Folgen sind inzwischen weitgehend ausgeräumt. Carolina Krafzik geht mit ihrer Trainingspartnerin vom VfL Sindelfingen, Lisa Hartmann, die ebenfalls Endlaufchancen hat, auf die Aufwärmrunde.

Quelle: SZ/BZ-Online