Leichtathletik: Der fünfte Versuch ist Gold wert

Peter Esenwein ist in seiner Karriere als Speerwerfer schon viel herumgekommen. Den Rückflug seiner Reise nach Perth in West-Australien trat er gar mit einer Goldmedaille im Gepäck an. Bei den Leichtathletik World Master Championships siegte Esenwein in der Altersklasse M45 und darf sich nun Senioren-Weltmeister nennen.

In Athen, Osaka und Göteborg, bei den Olympischen Spielen, den Leichtathletik-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften war Peter Esenwein schon dabei. Auch nach Bydgoszcz, Annecy, Stockholm oder Rio de Janeiro führte die Sportlerkarriere den erfolgreichen Speerwerfer. Inzwischen ist Esenwein 48 Jahre alt und schickt seinen Speer noch mit derselben Begeisterung in den Himmel, wie in seiner erfolgreichsten Saison vor zwölf Jahren.

Damals stellte er eine persönliche Bestleistung von 87,20 Metern auf und buchte das Olympia-Ticket. In diesem Jahr flog der 800-Gramm-Speer 67,45 Meter weit.

Und damals wie heute reist der Sindelfinger Sportler um die Welt, um sich mit den Besten zu messen. Wettkämpfe führten ihn über den ganzen Globus. Nur auf dem australischen Kontinent war der Speerwerfer noch nie.

„Bei einem Trainerlehrgang Ende letzten Jahres wurde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass die Seniorenmeisterschaften in Perth stattfinden. Ein toller Austragungsort. Ich wollte dort schon immer einmal hin“, sagt Esenwein.

Schließlich verbindet er mit Australien einen ganz großen Traum. Im Jahr 2000 fanden in Sydney die Olympischen Spiele statt. Der Speerwerfer hoffte auf eine Teilnahme, scheiterte aber, vier Jahre später wurde der Olympia-Traum dann in Athen wahr. „Trotzdem hat sich Australien bei mir eingebrannt, als mein erstes großes Ziel. Deswegen habe ich jetzt, 16 Jahre später die Gelegenheit genutzt.“

Schließlich ist Peter Esenwein immer noch im Training. Drei bis vier Mal pro Woche wird geackert, natürlich kein Vergleich zu den Umfängen in früheren Jahren. „Die Sprints, das Krafttraining, vor allem das Werfen machen immer noch Spaß. Natürlich habe ich aus beruflichen Gründen weniger Zeit zum Trainieren und die Werte fahren herunter, aber solange ich für mich weiß, dass die 70 Meter noch drin sind, werde ich auch so weitermachen.“

Einen Vorteil sieht Esenwein allerdings. „Ich laufe deutlich langsamer an. Dadurch kann ich technisch besser arbeiten, ich habe einfach mehr Zeit für die einzelnen Schritte.“

Einen technischen Fehler konnte der Speerwerfer allerdings auch in mehreren Jahrzehnten nicht ausmerzen: „Ein gestrecktes Stemmbein werde ich wohl niemals hinbekommen“, sagt er mit einem Grinsen.

Nach einer guten Vorbereitung war Esenwein im Juni dieses Jahres in Bestform. „Wegen meines Jobs bin ich dann aber nicht mehr zum Werfen gekommen, trotzdem sind die Speere geflogen. Im Oktober war meine Form natürlich nicht mehr so gut“, sagt der Speerwerfer im Trikot des VfL Sindelfingen.

Ende Oktober ging es um halb neun Uhr morgens im Nebenstadion von Perth um alles. Bei heftigem Gegenwind und Regen trat Esenwein gegen die Konkurrenz an. „Ich wollte gewinnen, darum geht es schließlich ja.“

Doch bei den schlechten Bedingungen tat sich der Sportler nicht leicht. Im fünften Durchgang dann endlich ein gelungener Wurf auf 65,03 Meter.

Daran biss sich die Konkurrenz die Zähne aus. Und so sicherte sich Peter Esenwein mit exakt drei Metern Vorsprung die Goldmedaille. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich gewonnen habe. Auch meine Konkurrenten waren früher stark und haben über 80 Meter geworfen. 65 Meter sind natürlich nicht der Brüller, aber den Weltmeisterschafts-Titel habe ich nun“, sagt Peter Esenwein.

Beeindruckt hat ihn die professionelle Einstellung der Senioren-Sportler, viele Wettkämpfe verfolgte er im Stadion. An weiteren Senioren-Meisterschaften will Peter Esenwein aber nicht teilnehmen. Ziel ist nach wie vor die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften der Aktiven.

Ein Ziel könnte ihn dann aber doch reizen: 2020 finden die Senioren-Weltmeisterschaften im kanadischen Toronto statt. Peter Esenwein wäre dann 52 Jahre alt. Gut möglich, dass in vier Jahren die nächste große Reise des nimmermüden Speerwerfers stattfindet.

Der Sindelfinger Speerwerfer Peter Esenwein gewinnt im australischen Perth die Goldmedaille bei der Senioren-WM. Bild: Drechsel

Quelle: SZ-BZ Online