Leichtathletik: Der dritte Mann der Sprintstaffel

Vom Wackelkandidaten zur wichtigen Stütze der Mannschaft. Die Entwicklung von Sprinter Deniz Almas verlief in diesem Jahr rasant. Seine Bestleistung steigerte er auf 10,33 Sekunden. Spätestens seit dem Rennen von Mannheim baut der Bundestrainer bei der U23-Europameisterschaft in Bydogoszcz auf den Sindelfinger.

Nach den Rekordläufen der letzten Wochen muss sich die Muskulatur des Sprinters erst an die neuen Belastungen gewöhnen. „Meine linke Muskelkette war komplett zu. Durch meine Leistungssteigerung hat das System dicht gemacht. Ich musste die neuen Reize verarbeiten“, weiß Almas. In den letzten Tagen hat er viel Zeit beim Physiotherapeuten verbracht und kann nun verkünden: „Ich bin topfit.“

Bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Erfurt am Wochenende hat er bewusst auf einen Einzelstart verzichtet, entschied sich in den Dienst der deutschen Nationalmannschaft zu stellen und sich zu schonen. Lediglich für die 4×100-Meter-Staffel des VfL Sindelfingen ging er an den Start. Wie gewohnt auf Position drei in der Kurve. Die Generalprobe glückte, das VfL-Quartett lief auf Platz sechs, Deniz Almas ist beschwerdefrei. „Ich hatte Angst, dass sich meine Waden wieder melden, aber alles hat gehalten. Ich weiß jetzt, dass auf meinen Körper Verlass ist. Das wird auch in Polen so sein.“

Bereits am Dienstag ging die Reise nach Bydogoszcz los, erst am Sonntag stehen die 4×100-Meter-Staffeln auf dem Zeitplan. In seiner derzeitigen Verfassung sieht sich Almas gesetzt auf der dritten Position. Dem vergleichsweise kleinen Sprinter liegt der Lauf in der Kurve. „Da kommt mir meine Schrittfrequenz zugute und kleine Läufer haben einen generellen Vorteil.“ Außerdem gilt Almas als guter Staffelholzwechsler, schon bei der U20-WM im vergangenen Jahr, ebenfalls in Bydogoszcz, stellte er das unter Beweis. Und auf Position drei ist ein solcher auch nötig, schließlich muss er das Holz eingangs der Kurve in Empfang nehmen und auf der Zielgeraden an den Schlussläufer übergeben. „Der Bundestrainer hat mir gesagt, er zählt auf mich. Wir wollen in Bydogoszcz vorne mitmischen und schielen in Richtung Medaillen.“

Trotz der guten Aussichten auf zwei Einsätze im Deutschlandtrikot, gesetzt den Fall, dass es das DLV-Team ins Finale der EM schafft: Deniz Almas weiß um die immer größer werdende Konkurrenz. Anfang der Saison hatte er zwar mit einem Europameisterschaftseinsatz geliebäugelt, war sich aber der Herausforderung bewusst. „Die Leistungsdichte ist gerade sehr hoch, die Jungen sind im Sprintbereich auf dem Vormarsch.“

Almas weiß ganz genau, warum er nun plötzlich so schnell unterwegs ist. Die Vorbereitung absolvierte er fast ohne Einschränkungen und endlich, so scheint es, kann der Sindelfinger seine enorme Kraft in den Beinen auch auf die Bahn bringen. „Vor drei Jahren habe ich mich im Kraftbereich stark gesteigert, seitdem mache ich eigentlich meine Kniebeugen mit 170 Kilogramm. Die Kraft war immer da, der Körper wusste nur nicht, wohin mit der Energie.“ Nun scheint dieser Bann gebrochen. Auch seinen Kopf bezeichnet Deniz Almas als freier. „Ich habe Spaß am Sprinten und bin viel lockerer. Mein FSJ beim VfL Sindelfingen trägt sicherlich auch einen Teil dazu bei, ich kann mein Training aufteilen und besser regenerieren.“ Im Deutschlandtrikot will sich Almas mit seinen Staffelkollegen am Sonntag nun zum nächsten Erfolg laufen. „Ich werde alles geben“, verspricht der Sindelfinger.

Der Sindelfinger Deniz Almas (rechts) trägt am Sonntag das deutsche Trikot. Er ist bei der 4×100-Meter-Staffel als dritter Läufer fest eingeplant. Bild: Drechsel

Quelle: SZ-BZ Online