Leichtathletik: Das letzte Rennen von Patrick Oehler

Quelle: SZ-BZ Online

Die deutschen Meisterschaften – neben den Europameisterschaften und Olympischen Spielen der Saisonhöhepunkt der Leichtathleten in diesem Sommer. Im Auestadion in Kassel werden die nationalen Titelkämpfe ausgetragen. Am Wochenende geht es aber nicht nur um die Medaillen, sondern auch um Startplätze bei der Europameisterschaft in Amsterdam und die Olympiatickets.

Der VfL Sindelfingen hat hier zwei ganz heiße Eisen im Feuer. Zum einen Hürdensprinterin Nadine Hildebrand, auf der anderen Seite Kugelstoßer Tobias Dahm.

Nadine Hildebrand hat sich eine gute Ausgangsposition erlaufen. Die Sindelfingerin war lange verletzt, musste sich von einer Knieoperation erholen. Der Olympiateilnahme ordnete sie alles unter. Umso erfreulicher zu sehen, dass sie schon zum Saisonstart ziemlich schnell über die Hürden unterwegs war. Bald fielen die Normen für EM und Olympia. Nach 12,79 Sekunden war Hildebrand im Ziel. Damit führt die Teilzeit-Rechtsanwältin die deutsche Jahresbestenliste an.

Doch trotzdem, Nadine Hildebrand darf sich nicht in Sicherheit wiegen. Gleich vier schnelle deutsche Hürdensprinterinnen sind ihr auf den Fersen. Da wäre an erster Stelle die Vize-Weltmeisterin Cindy Roleder, aber auch Pamela Dutkiewicz hat die Olympia-Norm schon in der Tasche. Hinzu kommen Franziska Hofmann und Ricarda Lobe. Bei nur drei Startplätzen für beide Großereignisse bedeutet das: viel Spannung bei den deutschen Meisterschaften. Hier werden die Olympiaplätze vergeben. Die Siegerin der Hürdensprint-Fünfkampfes ist gesetzt, auch Silber oder Bronze kann in Kassel das Olympia-Ticket bedeuten.

Nadine Hildebrand selbst ist gut vorbereitet. Sie hat in der vergangenen Woche durchtrainiert und am letzten Wochenende auf einen Wettkampf verzichtet, um die nationalen Meisterschaften in Top-Form anzugehen. „Ich will zwei gute Rennen machen und um den Titel mitsprechen“, sagt die Sindelfingerin.

Auch Sabrina Lindenmayer ist bei den deutschen Meisterschaften am Start, für sie sind erneut der Endlauf und eine schnelle Zeit das Ziel. Am Samstag um 14.25 Uhr stehen erst die Vorläufe an, das 100-Meter-Hürden-Finale ist für 16.50 Uhr vorgesehen.

Ähnlich wichtig sind die deutschen Meisterschaften für Tobias Dahm. Der Sindelfinger benötigte, wie auch schon in den letzten Jahren, einige Wettkämpfe, um in Fahrt zu kommen. In Rumänien fiel dann endlich die 20-Meter-Marke unter freiem Himmel. Damit hatte Dahm gleichzeitig auch die Norm für die Europameisterschaften überboten. Zur Olympianorm von 20,50 Metern fehlt aber noch ein ganzes Stück.

Doch Tobias Dahm ist ein Meisterschaftsstoßer. In den letzten Jahren glänzte er bei Titelkämpfen mit tollen Weiten. „Ich möchte gerne mein Potenzial abrufen. Ruhig bleiben aber auch angreifen“, sagt Dahm. Für ihn geht es heute schon um 12 Uhr los.

Ebenfalls am Kugelstoßwettkampf nimmt Simon Bayer teil. Der Nachwuchs-Athlet hat in diesem Jahr eine tolle Entwicklung hinter sich. Mit seinen 20 Jahren hat er bereits die 18-Meter-Marke geknackt und sich für seine ersten deutschen Meisterschaften bei den Aktiven qualifiziert, obwohl er noch der Juniorenklasse angehört.

Im Stabhochsprung der Männer tritt Florian Gaul an. Der VfL-Athlet übersprang in diesem Jahr schon 5,50 Meter, doch Gaul hat höhere Höhen im Kopf. Bei guten Bedingungen wäre Kassel ein gutes Pflaster für eine Steigerung. „Ich will einen guten Wettkampf machen und meine Bestleistung angreifen“, sagt Florian Gaul.

Bei den Stabhochspringerinnen schickt der VfL Sindelfingen Martina Schultze ins Rennen. Die Sportlerin konnte in dieser Saison erst 4,25 Meter überqueren, in Kassel sind höhere Sätze zu erwarten.

Patrick Oehler hat am Wochenende gleich mehrere Startmöglichkeiten. Das Sindelfinger Mittelstrecken-Ass wird seine Leichtathletik-Laufbahn im 1500-Meter-Rennen beenden. „Ich will meinen letzten Wettkampf genießen. Ich laufe das erste Mal über die 1500 Meter und will am Besten gleich ins Finale kommen.“ Über die 800-Meter-Strecke läuft Alexander Korn.

Im 1500-Meter-Lauf wird Anna Karina Becker antreten. Als erste Sindelfinger Starterin des Wochenendes eröffnet sie die Meisterschaften für die Blau-Weißen.

Über die 400-Meter-Hürden ist der Vorjahres-Finalist Yannik Frers am Start. „Ich will eine gute Zeit laufen, möglichst an meine Bestzeit heran“, so der Sindelfinger. Im 100-Meter-Sprint startet Romed Guischard. Im Diskuswurf der Männer tritt Michael Salzer in den Ring.

Gleich zwei Staffeln schickt der VfL in Kassel ins Rennen. Beide haben gute Chancen auf eine Platzierung unter dem Top-Acht. Neben der 4×100-Meter-Staffel, soll die 4×400-Meter-Staffel am Sonntagabend für einen guten Abschluss der Meisterschaften sorgen.

Der Sindelfinger Patrick Oehler (Vierter von rechts) will sich bei der deutschen Meisterschaft in Kassel mit einer starken Vorstellung vom Leistungssport verabschieden. Bild: Drechsel