Leichtathletik: „Auf eine Rolle im Tatort habe ich richtig Lust“

Para-Kugelstoßer Niko Kappel vom VfL Sindelfingen sieht seinen Weltrekord als Motivationsspritze in der Corona-Saison

Niko Kappel ist wohl einer der bekanntesten Para-Sportler. Nachdem sich das 1,40 Meter große Kraftpaket bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro in die Herzen der Fans. Jetzt setzte der Athlet des VfL Sindelfingen erneut ein Ausrufezeichen.

Niko Kappel stieß bei einem Wettkampf in Stuttgart die Kugel auf unglaubliche 14,40 Meter, 21 Zentimeter mehr als der bisherige Weltrekord des Briten Kyron Duke, und 29 Zentimeter mehr als seine eigene persönliche Bestleistung (die SZ/BZ berichtete). Darüber sprach die SZ/BZ mit dem Ausnahmesportler.

Was ging Ihnen kurz danach durch den Kopf, als die Kugel bei 14,40 Metern lag?

Niko Kappel: „Zuerst einmal war ich einfach nur glücklich. Es ist schön zu sehen, dass man trotz der Zwangspause nicht ganz aus der Form gekommen ist und dass das Training fruchtet. Es hat einfach alles gepasst. Bei uns kleinwüchsigen Kugelstoßern ist das immer ein interessanter Schlagabtausch mit dem Weltrekord. Bisher durfte ich den Rekord nie über den Winter behalten. 2018 und 2019 hatte ich den Weltrekord bereits für eine kurze Zeit, musste ihn dann wieder abgeben. Mal schauen, wie lange ich ihn jetzt behalten darf, sollte er letztlich auch akzeptiert werden. Auf jeden Fall war das ein absoluter Motivationskick in der Corona-Saison.“

Sie waren einer der ersten Profisportler weltweit, der sich aufgrund der Corona-Krise für eine Verschiebung der Paralympischen Spiele 2020 in Tokio ausgesprochen hat. Gab es dafür Kritik aus den eigenen Reihen?

Niko Kappel: „Nein, da ist mir nichts bekannt. Viele Athleten waren sicherlich ähnlicher Meinung. So wie der Verlauf der Corona-Pandemie gerade aussieht, ist das auch die beste Entscheidung, die gefällt wurde. Klar, in Deutschland merken wir gerade, wie in vielen Bereichen die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen das Leben wieder in Richtung Normalität lenkt. Wir deutschen Sportler dürfen, auch unter Auflagen, wieder an den Bundesstützpunkten trainieren. Vielen anderen Sportlern auf der Welt bleibt das aber verwehrt, da dort die Corona-Krise erst richtig anfängt. Von daher ist das immer noch die beste Entscheidung, die IOC und IPC haben fällen können und ich hoffe, dass wir nächstes Jahr gemeinsam schöne Spiele feiern werden.“

Zusammen mit Athletiktrainer Damien Zaid konnten Sie Ihr instabiles Knie wieder gut rehabilitieren. Gibt es dennoch weiterhin beim Training Beschwerden bei den Drehbewegungen?

Niko Kappel: „Da ich die Probleme seit Ende 2018 hatte, habe ich in den letzten zwei Jahren viel Reha- und Stabilitätstraining gemacht. Aktuell habe ich jetzt zum Glück keinerlei Beschwerden mehr. Damien und ich haben auch erkannt, dass Einheiten wie beispielsweise Joggen und Sprinten, mir und meinem Knie nicht sonderlich gut tun. Es gibt andere Möglichkeiten sich warm zu machen, oder Explosivität zu trainieren. Deswegen haben wir solche Elemente im Trainingsplan durch andere ersetzt. Seitdem wurde es kontinuierlich besser.“

Wie sieht Ihr Masterplan für die Paralympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio aus?

Niko Kappel: „Weiter zu stoßen als jeder andere. Ich hoffe einfach, dass ich verletzungsfrei durch das Jahr komme und die Vorbereitungszeit maximal nutzen kann. Auch die Zusammenarbeit zwischen Peter Salzer und Damien Zaid könnte für mich nicht besser sein, weshalb ich sehr optimistisch auf die Spiele im nächsten Jahr schaue.“

Ihr Trainer, Peter Salzer, sagte, dass Sie außer Social Media keinerlei Schwächen haben. Fakt oder eher ein gut gemeinter Motivationsschub?

Niko Kappel: „Es gehört eben heutzutage irgendwo zum Sportlerdasein dazu, dass man in der Öffentlichkeit präsent ist. Gerade in meiner Situation bin ich auf Sponsoren angewiesen, die mich finanziell unterstützen, damit ich mich voll und ganz auf meinen Sport konzentrieren kann. So hätte ich beispielsweise ohne diese Unterstützung auch nicht mein eigenes kleines Fitnessstudio bei mir im Keller einrichten können. Peter hat da aber schon Recht, es nimmt viel Zeit in Anspruch, aber auch das gehört dazu. An meinem Zeitmanagement muss ich dennoch etwas feilen, aber das bekomme ich alles schon noch hin.“

Über 60 000 Abonnenten unterhalten Sie mit den Videos und den Schauspielkünsten auf der neuen Social Media Plattform TikTok. Wann sehen wir Niko Kappel in einer Nebenrolle beim Tatort?

Niko Kappel: „Der Tatort ist auf jeden Fall Kult. Da hätte ich in der Tat Lust drauf. Der SWR-Tatort mit Richy Müller und Felix Klare ist mein Favorit. Also sobald die ARD mir eine Rolle anbietet und ich das zeitlich realisieren kann bin ich dabei.“

Paralympics-Sieger, Weltmeister, zweimaliger Behindertensportler des Jahres (2016 und 2017), gelernter Bankkaufmann und Gemeinderatsmitglied für die CDU in Welzheim. Welche Bezeichnung fehlt noch in der Vita?

Niko Kappel: „Das ist schwierig. Klar, als Sportler am liebsten noch der Europameistertitel. Eine zweite Goldmedaille bei den Paralympics wäre genial. Keine einfache Aufgabe, da dieses Ziel auch noch viele andere haben. Ich hoffe, dass ich später, wenn ich selbst nicht mehr aktiv bin, meinem Sport noch irgendwas zurückgeben und mich aktiv einbringen kann. Also vielleicht können wir der Vita erstmal noch ein paar Erfolge hinzufügen. Mal schauen was die Zukunft dann noch so bringt, auch beruflich nach Ende meiner aktiven Karriere.“