Leichtatheltik: Hildebrands Abschied geht ans Herz

Leichtathletik: Beim Martinsgans-Essen des VfL Sindelfingen geht die große Karriere der 1,59 Meter großen Hürdensprinterin in feierlichem Rahmen zu Ende

Europameisterschaft Paris 2011, Nadine Hildebrand scheidet im Halbfinale aus. Trotzdem bleibt sie bei der Mannschaft, unterstützt die anderen, die noch im Rennen sind. „Du bist immer eine Teamplayerin, eine Mannschaftsathletin.“ Mit diesen Worten bringt es Bundestrainer Rüdiger Harksen bei der Verabschiedung von Hürdensprinterin Nadine Hildebrand auf den Punkt. Im Rennen meist auf sich allein gestellt und trotzdem sich als Teil einer Mannschaft fühlen und dies auch leben, das zeichnet die erfolgreiche Hürdensprinterin aus, die jetzt ihre aktive Laufbahn beendet.
In einer Abschiedsfeier im Rahmen des traditionellen Martinsgans-Essens der Freunde der Leichtathletik Sindelfingen zeichnen Heimtrainer Werner Späth und Bundestrainer Rüdiger Harksen noch einmal die Stationen nach und betonen, dass es nicht allein die sportlichen Erfolge sind, die die Athletin Nadine Hildebrand auszeichnen.

Berg-Anstieg mit Folgen

In seiner Laudatio erinnert Werner Späth daran, wie die Zusammenarbeit mit Nadine Hildebrand begann. „Ich war mit dem Rennrad auf der Silvretta Hochalpenstraße unterwegs, als kurz vor Beginn der 26 Serpentinen mich der Anruf von Rüdiger Harksen erreichte. Die Anfrage, ob ich für den Zeitraum für ein Jahr bis Olympia 2012 Nadine trainieren könne, nahm ich mit auf den Berg.“ Oben angekommen so erzählt er weiter, steht die Entscheidung fest und aus dem einen Jahr werden 8 Jahre intensive Zusammenarbeit, die er, so Späth nicht missen möchte.
Bundestrainer Rüdiger Harksen hebt das hohe Engagement, die Leistungsbereitschaft und den Willen, auch nach Rückschlägen weiter zu machen, hervor. Er blickt neben den sportlichen Erfolgen auch auf die Verletzungsphasen zurück. „Sich ehrgeizig und professionell 2014 nach der schweren Knie-OP wieder hochzuarbeiten, das gelinge nicht jedem.“

Auch das Engagement der Eltern und die Unterstützung lässt er nicht unerwähnt. Auf die Frage, ob die Sindelfingerin nicht zu klein für die Hürden wäre, vergleicht er sie mit Hürdensprinterin Gail Devers, die 1993 Weltmeisterin wurde und noch einen Zentimeter kleiner ist als die 1,59 Meter große Sindelfingerin. „Ich werde, liebe Nadine, deinen schwäbischen Charme und auch Sturkopf vermissen,“ so Harksen und fügt mit Verweis auf ihre Körpergröße Nadine Hildebrands Spruch „Kleine Leut‘ werfen auch große Schatten“ hinzu. Sie sei eine ganz Große und er sei stolz, dass er so eine Athletin 14 Jahre lang im Bundeskader erleben durfte. Sindelfingens Sportbürgermeister Christian Gangl unterstreicht, dass sie immer ihren Kampfgeist unter Beweis gestellt habe und so ein Vorbild für viele Sportler in Sindelfingen sei.

Stehende Ovationen

So viele warme Worte und stehende Ovationen der Vereinskameraden gehen ans Herz. Nadine Hildebrand bedankt sich, sichtlich gerührt, zum Abschluss der kleinen Feier bei all ihren Unterstützern. „Ich habe mich hier im Verein immer sehr aufgehoben gefühlt und ohne die vielfältige Unterstützung stünde ich jetzt nicht hier.“ Auch die Tatsache, dass sie zunächst ein Jahr ohne Mitgliedschaft im VfL Sindelfingen ganz selbstverständlich mittrainieren durfte hebt sie hervor. „Nie wurde ich gedrängt meinen alten Verein zu verlassen und der Wechsel kam so von ganzem Herzen.“
Die Ausnahmeathletin will der Leichtathletik verbunden bleiben. „Ich wurde dieses Jahr zur Athletinnensprecherin gewählt und das erfüllt mich doch mit Stolz.“ Die Tatsache, dass sie von vielen, auch jüngeren, die sie nicht persönlich kennen, gewählt wurde, sei eine Bestätigung, dass sie doch in vielerlei Hinsicht alles richtig gemacht habe.

Durch ihren Sitz im Präsidium und im Nominierungskomitee werde sie sicher auch die ein oder andere Veranstaltung besuchen. „Wie der Blick von der Tribüne dann auf mich wirkt, da bin ich mal gespannt und lasse es einfach auf mich zukommen.“
Auf die Frage, wie sich denn ihr Alltag so ohne strenge Trainingspläne anfühle, erzählte sie: „Der Bewegungsdrang ist natürlich immer noch da und ich mache regelmäßig Krafttraining und Jazz Dance. Ganz neu gehe ich auch ins Pilates.“ Auch ein Trainingsbesuch sei immer noch drin. „Ich mach gerne hin und wieder im Training mit, aber eben nur so lange ich Spaß daran habe. Den Sprung über die Hürden lasse ich dabei aber eher aus.“
Beruflich will die Sindelfingerin ihre Stelle als Rechtsanwältin zeitlich gesehen aufstocken. „Ich habe ja jetzt mehr Zeit und will mein Wissen dort vermehrt einbringen.“ Auch dort nimmt das Team eine besondere Rolle ein. Typisch Nadine Hildebrand eben.

Eine große Sportlerin beendet ihre Karriere: Auch Annette Nüßle fühlte bei der Verabschiedung mit.

Bild: Gerührt: Bundestrainer Rüdiger Harksen, Helmut Walentin, Rolf Homann, Helmut Wolf, Nadine Hildebrand und Trainer Werner Späth (von links). Bild: Nüßle

Quelle: SZBZ Online