Karate: Viel Lob und 2 Medaillen für den VfL

Karate: Weltmeisterschaft des Fudokan-Verbandes im Glaspalast / Lokalmatadoren Andy Fields (Silber) und Nico Wollet (Bronze) holen Edelmetall / Perfekte Organisation für 1600 Kämpfer

Zum ersten Mal überhaupt fand im Glaspalast eine Karate-Weltmeisterschaft statt. 1600 Kämpfer pilgerten aus allen Teilen der Welt für das Wochenende in die Daimlerstadt. Als Ausrichtungsort kamen viele deutsche Städte in Frage. „Aber in Sindelfingen ist alles optimal“, so der Verbandschef Karl-Hans König.

Die Arena ist so voll, dass sie fast überquillt. Hunderte von Karate-Kämpfern haben sich in der Mitte der Halle um einen altehrwürdigen Sensei aus Japan versammelt. Während der Meister die Luft mit dem Kampfstab schlägt, staunen vor allem die jüngeren Karateka über seine geschmeidigen Bewegungen.

 

Wenig zuvor sind 1600 Teilnehmer mit ihren Landesfahnen bei der Eröffnungsfeier in die Arena gelaufen. Kämpfer aus mehr als 30 Nationen stehen und sitzen nun auf dem Arenaboden und schauen bei der letzten Vorführung zu, bevor die 8. Weltmeisterschaft des Fudokan-Verbandes – einem von vielen, die international vernetzt sind – richtig beginnt.

 

Erstmals in Deutschland

 

Nach Italien, Serbien und zuletzt Rumänien hat das Turnier, das alle zwei Jahre veranstaltet wird, nun von Freitag bis Samstag zum ersten Mal in Deutschland stattgefunden – und das gleich um die Ecke, im Sindelfinger Glaspalast.

 

Am Freitagmorgen sind Kinder und Jugendliche an der Reihe. Auf insgesamt 14 Kampfmatten – im Karatejargon „Tatami“ genannt – duellieren sie sich entweder in den freien Kämpfen mit Schutzkleidung oder im sogenannten Kata. Bei Letzterem treten zwei Kämpfer nacheinander auf die Matten und führen gegen imaginäre Gegner eine bestimmte Abfolge von Kampfbewegungen aus. Um jede der Matten sitzen fünf Kampfrichter, die eine rote und eine blaue Fahne in der Hand halten. Am Ende gewinnt der Kämpfer das Duell, für den die meisten Fahnen gehoben werden.

 

Eleganz und Ernsthaftigkeit

 

Immer wieder hallen die Schreie der jungen Kämpfer, die sich Fäuste und Beine schwingend über die Kampfmatte bewegen, durch die Halle. „Ganz wichtig ist, dass man die Bewegungen elegant und mit dem gebotenen Ernst ausführt. Der Schrei, bei dem Energie ausgestoßen wird, muss natürlich überzeugend klingen“, sagt Andy Fields, Abteilungsleiter der Karateabteilung vom VfL Sindelfingen, der am Sonntag beim Bruchtest, bei dem mehrere Holzbretter durchschlagen werden, die Silbermedaille holt..

 

Am Freitag ist er in der Halle, um Nico Wollet, zu unterstützen. Der U21-Kämpfer des VfL Sindelfingen steht bereits in der Arena und wartet ungeduldig auf seinen Einsatz. Neben ihm ist sein Karate-Trainer vom VfL, Guido Plischek, der ihm noch ein paar Tipps mitgibt. Da sich Wollets Kata aber verzögert, steigt auch langsam die Anspannung. „Die beiden nehmen zum ersten Mal bei so einem großen Wettkampf teil“, sagt Plischek über seine zwei Schützlinge: „Bei so einer Atmosphäre spielen die Nerven eine Rolle.“ Dass eine WM mit einem so großen internationalen Teilnehmerfeld überhaupt in Sindelfingen stattfinden kann, ist auch ein wenig Guido Plischek zu verdanken. Ihn verbindet nämlich eine langjährige Freundschaft mit dem Vorsitzenden des Fudokan-Verbands in Deutschland, Karl-Hans König. „Er war auf der Suche nach einer geeigneten Halle für die WM und hat mich gefragt, ob ich ihm helfen kann“, so Plischek.

 

Bronze und Silber für den VfL

 

Der Glaspalast habe König von Anfang an imponiert. „Wir hatten Hallen in Berlin, München und auch die Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart als Option. Aber hier ist alles optimal, von der Größe der Halle bis hin zu den Übernachtungsmöglichkeiten. Zudem hat uns die Stadt sehr unterstützt“, sagt der Chef des deutschen Fudokan-Verbandes.
Am Ende hat sich die Karate-Weltmeisterschaft sogar auch für den VfL Sindelfingen gelohnt. Nico Wollet (Bild: VfL Sindelfingen Karate) gewann zwei von drei Kata-Duellen – von denen er eins gegen den späteren Weltmeister verlor – und holte sich bei seiner ersten WM-Teilnahme überhaupt gleich die Bronzemedaille. „Ich habe das überhaupt nicht erwartet“, so der 20-Jährige überrascht, „aber umso mehr freuen wir uns jetzt über Bronze.“