Hauptverein: Sportwelt-Geld für die VfL-Familie

Erstmals schüttet der VfL Sindelfingen die Dividende aus: Weil die Kredite für die Sportwelt getilgt und die Einnahmen mit knapp 1,4 Millionen Euro so gut sind, verteilt der Verein 100 000 Euro unter den 28 Abteilungen. Bei der Delegiertenversammlung in der Judohalle im Sindelfinger Glaspalast sorgte Präsident Dr. Heinrich Reidelbach mit dieser Nachricht für ziemlich gute Laune. Einerseits will der Hauptverein mit dem Geld das Defizit für die Sportstätten-Nutzungsgebühren ausgleichen. Zweitens können die Abteilungen Anträge stellen, damit besondere, einmalige und nachhaltige Projekte gefördert werden. „Außerdem wird der Sponsorenpool deutlich erhöht“, sagt Dr. Heinrich Reidelbach.

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Der Verein schreibt schwarze Zahlen. Ein Überschuss von 341 000 Euro steht für das Jahr 2017 auf dem Papier. Unter anderem liegt das an den 72 000 Euro Zinsen – in einer Zeit, in der es für angelegtes Geld kaum etwas zu holen gibt. Finanzreferent Markus Graßmann: „Leider ist das ein einmaliger Effekt. Wir haben einen Fonds auf dem Kurshöhepunkt verkauft.“ Zusammen mit der Sportdividende fließen in diesem Jahr laut Plan 926 000 Euro an die Abteilungen zurück. Markus Graßmann: „So eine Summe hatten wir noch nie.“

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Ein kleines bisschen Wasser musste er dennoch in den Wein gießen – was allerdings auch an der guten Entwicklung der Sportwelt liegt. Diese erwirtschaftete früher als gedacht hohe Einnahmen. Eine Betriebsprüfung führte deshalb dazu, dass der Verein für die Jahre 2007 bis 2011 jetzt 90 000 Euro an Steuern nachzahlen muss.

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Noch eine Altlast. Im Zahlenwerk taucht jetzt der Wasseranschluss aus der Kanalsanierung aus dem Jahr 2008 mit Kosten von 25 000 Euro auf. „Ich hatte eigentlich darauf gehofft, dass die Stadt das vergessen hat“, hatte Markus Graßmann die Lacher auf seiner Seite.

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Vergessen? Die Stadt hat den Sport auf der Rechnung. Das betonte Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer gleich mehrfach. Alleine die Zahl von 4500 Kindern bis 18 Jahren, hinter denen immer Trainer, Eltern, Abteilungen, ehrenamtliches Engagement und soziale Arbeit stehen, seien beeindruckend und haben größten Respekt verdient. Vom Vorstand über die Jugendarbeit bis hinein zu den Betreuern sei das „eine beachtliche Erfolgsbilanz. Der VfL ist erfolgreich im Wettkampf und gleichzeitig in der Breite unterwegs. Wir investieren gerne in den Sport. Jeder Euro hat eine hohe soziale Wertschöpfung.“

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Das wird die Stadt jetzt auch kurzfristig tun. Michael Krutti brachte die Sorgen der Jugendfußballer auf den Tisch. Alleine beim VfL sind 600 Kinder und Jugendliche am Ball, deren Eltern stehen mit auf dem Sportplatz, Gastmannschaften von außerhalb noch dazu, „aber wir haben draußen bei den Plätzen keine sanitären Anlagen“. Sportamtsleiter Christian Keipert versprach kurzfristige Abhilfe – denn man könne nicht darauf warten, bis die Sportstättenkonzepte komplett umgesetzt sind. „Bis zur Sommerpause wird das nichts mehr, aber im Herbst wollen wir eine Containerlösung hinbekommen.“ Bis dahin gelte es, noch offene Fragen zum Abwasser und zum Wasseranschluss zu beantworten.“

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Ute Steinheber von der Behinderten- und Rehasportabteilung sorgt sich derweil darum, wie es im Badezentrum weitergeht. Die Techniksanierung steht auf dem Plan, aber es gibt keine Anzeichen, dass im Hallenbad tatsächlich etwas passiert. Hier hatte Christian Keipert keine guten Nachrichten: „Wir haben die Arbeiten ausgeschrieben, aber es hat sich nicht einmal eine Firma für die Planungsleistungen gefunden.“ Diese Baustelle liegt derzeit also auf Eis.

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Zum ersten Mal hat mit Anne Köhler die Vereinsjugendsprecherin vorgetragen – und zwar einen beeindruckenden Arbeitsnachweis, der zeigt, dass „in der Jugend wieder wirklich etwas passiert“, so Dr. Heinrich Reidelbach. Dabei geht es um Fortbildungen zum Thema sexualisierter Gewalt, zu Jugendleiterausbildungen, zu gesellschaftlichen Events wie dem ersten Come together im Glaspalast, und, und, und. Eines dieser „unds“ ist der neue Fanshop, den Anne Köhler vorstellte. Auf der Homepage des VfL Sindelfingens kann man vom Babystrampler bis zum Kapuzenpulli, der Tasse und die Flip Flops bis zum Handtuch alles finden, was die VfL-Familie tragen und verschenken kann.

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Apropos VfL-Familie: Dass von den 196 Delegierten stolze 152 zur Versammlung kamen, spricht für sich. Die Mitgliederzahlen sind jedoch zum Jahreswechsel um 250 auf 9048 gesunken. Unter anderem lag das auch am Austritt der Frauenfußball-Abteilung, die zum 1 Juli zu den VfL Sindelfingen Ladys wurden.

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Eben dieser Schritt schlägt sich in der neuen VfL-Satzung nieder, die der Verein auch auf Anraten des WLSB änderte und etliche Passagen auf den neuen Stand brachte. Unter anderem hatte es bei den Fußballfrauen Hickhack um Verträge gegeben. Offene Summen sollte der Hauptverein übernehmen (die SZ/BZ berichtete mehrfach). „Damit solche Löcher in der Kasse keine Auswirkungen auf andere Abteilungen haben, schaffen wir in der Satzung klare Verhältnisse“, sagt VfL-Justiziar Dr. Oliver Wengert. Das heißt: Alles, was nicht abgabepflichtig ist, können die Abteilungen weiterhin selber fixieren. Verträge, die darüber hinaus wirken, werden über den Hauptverein geschlossen. Dazu sind die Abteilungen für ihre Kassen verantwortlich und haften dem Verein für Fehlbeträge.

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Scheine und Steine: Eher wenig Neues konnte Dr. Heinrich Reidelbach zur Sportwelt sagen. Der Pachtvertrag für das Restaurant Al Paradiso läuft in zwei Wochen aus. Steht der neue Anbau, sei ein Gastrobetrieb über das Tennis-Bistro möglich. Die Genehmigung für den Sportwelt-Neubau erhofft er sich noch für dieses Jahr. Zur Stadionsanierung brachte er das Jahr 2021 aufs Tableau, allerdings auch mit reichlich Konjunktiven.

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Bei so viel Eintracht fielen die Wahlen erwartungsgemäß klar aus. Dr. Heinrich Reidelbach wurde ebenso einstimmig als Präsident wiedergewählt wie der komplette Vorstand mit Vizepräsident Andreas Bonhage, Finanzreferent Markus Graßmann und die Mitglieder Sabine Mundle, Andrea Petri, Steffen Haag, Johannes Mescher, Horst Thome und Dr. Oliver Wengert. Ohne jeden Gegenwind und Gegenrede bestätigten die Delegierten auch Jugendsprecherin Anne Köhler und die Kassenprüfer Manfred Stock und Helmut Wolf in den Ämtern.

Jürgen Wegner schnürte 1976 zum ersten Mal für die F-Jugend-Fußballer des VfL Sindelfingen die Kickstiefel.

Auf www.vfl-sindelfingen.com gibt es jetzt einen Fanshop mit Shirts, Handtüchern, Kapuzenpullis, Flip Flops, Stramplern und mehr.

Quelle: SZ-BZ Online