Handball: „Wahnsinn, was hier abgeht“

Die Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen gehen als Landesliga-Tabellenführer in die rund einmonatige Winterpause. Vor 600 begeisterten Zuschauern in der Sommerhofenhalle siegte die Mannschaft von Volker Blumenschein im Topspiel gegen die SG Ober-/Unterhausen 31:26.

„Das ist schon Wahnsinn, was hier abgeht“, war Urs Bonhage noch weit nach der Schlusssirene von den Socken. Dass die Zuschauer so begeistert waren, daran trug der Rückraumspieler der HSG Böblingen/Sindelfingen großen Anteil. Zwar setzte Urs Bonhage im ersten Angriff einen freien Wurf noch neben das leere Tor, was bei Volker Blumenschein ein leichtes Schmunzeln auslöste. Danach aber zeigte der ehemalige Drittligaspieler, wieso sein Coach von ihm eben ein wenig mehr erwartet als von seinen Mitspielern: „Das ist der Urs, den ich und auch die Zuschauer sehen wollen.“

Zwölf Treffer hatte Urs Bonhage am Ende des Abends erzielt und damit den 31:26-Sieg im Topspiel gegen den Tabellenzweiten maßgeblich beeinflusst. Und auch wenn der Linkshänder ein Teamspieler durch und durch ist, das Bad in der Menge danach genoss er in vollen Zügen: „Es tut gut, nach dem Spiel durch die Zuschauerreihen zu laufen und Lob zu bekommen.“ Damit das auch in der Rückrunde so bleibt, nimmt er sich und seine Teamkameraden in die Pflicht: „Es hängt von uns ab, ob die Halle voll ist. Wir spielen auf jeden Fall attraktiven Handball, der scheint beim Publikum gut anzukommen.“

Gegen die SG Ober-/Unterhausen war die HSG von Beginn an auf der Höhe, konnte sich aber nicht wirklich absetzen. Was zum einen an der mangelnden Chancenverwertung lag, zum anderen aber auch daran, dass die Gäste das Torhüterduell klar zu ihren Gunsten entschieden. Während HSG-Schlussmann Daniel Meyer die Finger meistens nicht an den Ball bekam, wuchs sein Gegenüber Marc-André Kilgus über sich hinaus. Dadurch war die SG zur Pause bei 13:11-Führung für Böblingen/Sindelfingen noch in Schlagdistanz. „20:11 für uns hätte dem Spielverlauf eher entsprochen“, ärgerte sich Volker Blumenschein.

Den knappen Vorsprung verwaltete die HSG, für die nach 35 Minuten Patrick Scheer ins Tor kam, auch nach der Pause ohne größere Probleme, verpasste es aber, den Sack schon früher zuzumachen. Frederik Todt kümmerte sich in einer verschobenen 5:1-Deckung um Florian Grauer und gestattete dem Rückraumschützen der SG lediglich zwei Treffer. Dennoch konnten die Gäste das Spiel bis in die Schlussphase offen halten. Bei eigener 25:24-Führung nach 56 Minuten schien das Spiel sogar noch mal kippen zu können. Mit einem famosen Schlussspurt beseitigten die Hausherren aber letzte Zweifel und verwandelten die Sommerhofenhalle mit sechs Toren in den letzten dreieinhalb Minuten in ein Tollhaus.

Volker Blumenschein, der seinen Abschied zum Saisonende in Richtung des Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim bereits angekündigt hat (die SZ/BZ berichtete), genoss die Stimmung in der Sommerhofenhalle: „600 Zuschauer gegen eine Mannschaft, die selbst kaum Fans mitgebracht hat, ist beeindruckend. Hier in der Region ist noch einiges möglich.“ Dass sein Team als Spitzenreiter in die Winterpause geht, ist für den HSG-Coach der verdiente Lohn der „Arbeit der letzten anderthalb Jahre“.

Platz eins bedeutet aber auch, dass die HSG in der ab Mitte Januar beginnenden Rückrunde nun erst recht der Gejagte sein wird. Frederik Todt ist das herzlich egal: „Wir nehmen diese Rolle an und werden voll dagegenhalten, denn wir alle haben ein gemeinsames Ziel – den Aufstieg in die Württemberg-Liga.“ Zuspruch bekommt der quirlige Aufbauspieler von Urs Bonhage: „Wir haben ein sehr positives Halbjahr hinter uns, in dem wir alle bessere Handballer geworden sind. Das gilt es in der zweiten Saisonhälfte zu bestätigen.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Meyer, Scheer, Heinkele, Petri (1 Tor), Trunk (4), Wild (1), Tischner, Spitzl (1), Bonhage (12), Fecker, Raff (4), Todt (3/davon 2 Siebenmeter), Müller (2), Markus Schwab (3)

Die Halle steht, die Spieler hüpfen: Die HSG Böblingen/Sindelfingen schlägt die bis dahin punktgleiche SG Ober-/Unterhausen und bereitet 600 Zuschauern in der Sommerhofenhalle einen spektakulären Samstagabend. Bild: Photo 5

Quelle: SZ-BZ Online