Handball: Vor der Pause völlig von der Rolle

Handball – Württemberg-Liga: VfL Waiblingen – HSG Böblingen/Sindelfingen 32:30 (24:14)

Zwei grundlegend verschiedene Halbzeiten absolvierte die HSG Böblingen/Sindelfingen im Württemberg-Liga-Duell beim VfL Waiblingen. Während die Mannschaft von Harry Sommer in den ersten 30 Minuten kein Bein auf den Boden brachte und mit 14:24 zurücklag, erwachte nach dem Seitenwechsel ihr Kampfgeist. Am Ende musste sich die HSG knapp mit 30:32 geschlagen geben.

Harry Sommer wusste nach dem Spiel nicht, ob er weinen oder doch lachen sollte. „Dieses Spiel hat unsere gesamte Saison widergespiegelt“, kam der Trainer der HSG Böblingen/Sindelfingen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. „Ich bin hin- und hergerissen, weiß noch gar nicht richtig, wie ich dieses Spiel einordnen soll.“ Da seine Mannschaft nach völlig indiskutabler erster Halbzeit noch knapp an einem Punktgewinn vorbeigeschrammt war, hob Harry Sommer dann doch das Positive hervor: „Am Ende überwiegt bei mir trotz der Niederlage der Stolz auf die Jungs.“

Was der HSG-Coach in den ersten 30 Minuten der Partie beim VfL Waiblingen hingegen zu sehen bekam, stufte er als „mit das Schlechteste“ ein, „was wir in dieser Saison gezeigt haben. Wir hatten keine Einstellung, keine Körperlichkeit, keine Abwehr, keine Torhüter, kein gar nichts“, war Harry Sommer sichtlich bedient. „Und vorne haben wir neun freie Würfe verballert.“ Das führte dazu, dass der Aufstiegskandidat von Beginn an leichtes Spiel hatte, nach zehn Minuten mit 10:4, nach 20 Minuten gar mit 16:8 in Führung lag. Die Gäste fingen sich kurzzeitig, verkürzten durch Silas Tischner in der 25. Minute auf 12:18, um im Endspurt der ersten Halbzeit mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Waiblingen drehte auf und lag zur Pause mit 24:14 vorne.

Mit Schwung aus der Kabine

Das Spiel war praktisch schon zum Seitenwechsel hin entschieden. Harry Sommer appellierte in der Kabine an seine Schützlinge, „sich nicht abschlachten zu lassen und sich endlich zu wehren. Ich habe die Jungs an der Ehre gepackt und gebeten, einfach nur die Dinge zu tun, die sie auch können“. Und die Antwort seiner Spieler gefiel dem HSG-Trainer richtig gut. Die HSG-Akteure starteten wie ausgewechselt in den zweiten Spielabschnitt, gingen plötzlich dorthin, wo es wehtut, wehrten sich nach allen Kräften und ließen auch in der Offensive nichts mehr liegen. Zudem war nun auch Daniel Meyer der erhoffte Rückhalt im Tor, sodass sie Treffer um Treffer aufholten und bis zur 49. Minute nur zwei Gegentore zuließen. „Meine Mannschaft hat in dieser Phase irre toll gespielt“, schwärmte Harry Sommer.

Als der starke Neuzugang Maximilian Bröhl in der 56. Minute auf 27:29 aus Sicht der „BöSis“ stellte, war der Punktgewinn plötzlich wieder greifbar. Urs Bonhage verkürzte kurz darauf auf 28:30 (57. Minute), jedoch hatte die Aufholjagd viel Kraft gekostet. Julian Linsenmaier und Holger Mayer erhöhten für die Waiblinger auf 32:28 und brachten die Partie damit endgültig nach Hause. Der Widerstand der Gäste war aber immer noch nicht gebrochen, auch wenn die beiden Treffer von Maximilian Bröhl und Finn Spitzl zum 32:30-Endstand nur noch Ergebniskosmetik bedeuteten.

„Schade, dass wir erst aus dem Fenster springen müssen, um zu merken, dass die Landung wehtut“, hatte Harry Sommer nach Spielschluss seinen Humor schnell wiedergefunden. „Und schade, dass das Spiel nicht noch ein paar Minuten länger gedauert hat, ansonsten hätten wir hier womöglich noch etwas mitgenommen. Wir haben Waiblingen in der zweiten Halbzeit förmlich überrannt und diese mit 16:8 gewonnen. Das ist gegen einen Titelkandidaten aller Ehren wert und für uns ganz wichtig im Hinblick auf die restlichen drei Saisonspiele.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Meyer, Gsell (beide im Tor); Petri, Horsch (1 Tor), Tischner (7/davon 2 Siebenmeter), Fecker (1), Bonhage (4), Bröhl (8), Raff (1), Todt (5/2), Demaili (1), Müller, Spitzl (1), Heinkele (1)

Bild: HSG-Trainer Harry Sommer wendet zur Pause der Partie beim VfL Waiblingen seinen Blick auf die Anzeigetafel und ist gewaltig bedient. Bild: Zvizdiç

Quelle: SZ/BZ-Online