Handball: So langsam wird die Luft dünn

Handball – Württemberg-Liga: HSG Böblingen/Sindelfingen – TSV Schmiden 22:33 (11:17)

Die Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen sind in der Württemberg-Liga im freien Fall. Nach dem sechsten Spiel ohne eigenen Sieg – 22:33 gegen den Spitzenreiter TSV Schmiden – hat das Team von Harry Sommer nur zwei Minuspunkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Ingo Krämer verletzt für die komplette Saison, Markus Schwab mit einer Grippe im Bett sowie Dominic Horsch, der sich am Samstagmorgen wegen Magen-Darm-Problemen abmeldete: Die Hiobsbotschaften reißen derzeit einfach nicht ab. Und auch wenn der Trainer der HSG Böblingen/Sindelfingen die Ausfälle nicht als Hauptgrund für die Talfahrt heranziehen will, der Aufsteiger kann die fehlenden Stammkräfte nicht mal ansatzweise ersetzen. Zumal darüber hinaus auch Stefan Trunk seit Wochen angeschlagen ist und nur in der Defensive eingesetzt wird. „Das Fehlen der Spieler hat man heute deutlich gesehen, uns sind die Kräfte ausgegangen“, kommentierte Harry Sommer die deutliche 22:33-Abfuhr gegen den TSV Schmiden nüchtern.

Wie hoch die Trauben hingen, war im Spiel zunächst nicht so erkennbar. Zwar wies die HSG vom Anpfiff weg eine hohe Fehlerquote auf, jedoch schaffte sie es, den Gegner einzulullen und zeitweise auf ihr Niveau herunterzuziehen. Langsam aber sicher bekamen die Gäste das Spiel immer mehr in den Griff – und bekamen dabei tatkräftige Unterstützung seitens der „BöSis“.

Ein Wackler reicht schon

So reichte den Schmidenern oftmals ein Wackler im Positionsspiel, um den jeweiligen Gegenspieler auszutanzen. In der Offensive offenbarten die Gastgeber ebenfalls große Schwächen. So scheiterte Frederick Todt beim Stand von 7:10 sowohl mit einem Siebenmeter an TSV-Torwart Jan David als auch mit dem Nachwurf. Weit zielstrebiger traten die Gäste auf, bei denen Christian Müller zu vielen einfachen Toren kam – auch weil Harry Sommer immer wieder den Torwart herausnahm, um eine Überzahlsituation zu kreieren. Dieser Schuss ging aber mehrmals nach hinten los. Mit der Pausensirene erzielte Moritz Klenk die komfortable 17:11-Führung für Schmiden.

Nach dem Seitenwechsel erwachte der Kampfgeist der HSG, die nun ihre beste Phase hatte. Nicholas Raff und Marian Heinkele übernahmen im Abschluss Verantwortung und brachten ihre Farben bei 17:20 (40.) auf Tuchfühlung heran. Schmidens Trainer Henning Fröschle reagierte mit einer Auszeit – und nahm den Hausherren damit den Schwung. „Wir haben sie kurz ins Schwitzen gebracht“, bemerkte Harry Sommer zufrieden, fügte aber auch erklärend an: „Schon da waren wir aber über dem Zenit, die Kräfte sind uns ausgegangen.“ Dem HSG-Coach fehlten schlichtweg die Alternativen. So schleppten sich Frederik Todt und Urs Bonhage mehr schlecht als recht über den Platz und konnten nicht wie gewohnt dringend benötigte Akzente setzen.

Der Spitzenreiter, angeführt vom überragenden Spielmacher Lukas Lehmkühler, steuerte einem sicheren Sieg entgegen, der am Ende aber höher ausfiel, als es aus HSG-Sicht hätte sein müssen. „Die letzten sieben Minuten haben mir nicht gefallen“, ärgerte Harry Sommer, dass seine Mannschaft fast kampflos einen 22:29-Rückstand auf 22:33 anwachsen ließ. Dies war gleichzeitig der Endstand der weitestgehend einseitigen Partie. Am Ende standen insgesamt 18 Fehlwürfe und 11 technische Fehler zu Buche. Zu viel, um den Spitzenreiter zu gefährden.

Allzu lange aufhalten wollte sich der „BöSis“-Trainer mit der Niederlage gegen den Klassenprimus aber auch gar nicht. „Unter all diesen Umständen war heute auch nicht mehr drin. Wir werden aber nicht lamentieren, denn schon am kommenden Samstag geht es gegen Schwaikheim weiter. Und mit hoffentlich Markus Schwab und Dominic Horsch mit an Bord können wir gewinnen. Wir brauchen dieses Erfolgserlebnis auch, damit die Talfahrt ein Ende findet.“ Auch Teamkapitän Urs Bonhage appelliert, nicht den Kopf in den Sand zu stecken: „Unser Spiel heute war trotz der klaren Niederlage besser als bei der Klatsche in Oberstenfeld am Dienstag. Jetzt gilt es, dagegen- und zusammenzuhalten. Dann finden wir wieder in die Erfolgsspur zurück.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Rinderknecht, Meyer (beide im Tor); Petri, Trunk, Hofacker (2 Tore), Tischner (5/davon 2 Siebenmeter), Bonhage (5), Raff (4), Todt (4/2), Demaili, Müller, Wild, Heinkele (2)

 

Bild: Frederik Todt (am Ball) und die HSG Böblingen/Sindelfingen: Zum sechsten Mal in Folge ohne Sieg. Bild: automotorart

Quelle: SZBZ Online