Handball: Schwaches Spiel – schwache Nerven

Rückschlag für die Landesliga-Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen: Gegen den TSV Dettingen/Erms kam die Mannschaft von Volker Blumenschein in der Sommerhofenhalle nicht über ein 28:28 hinaus und muss sich nun die Tabellenspitze mit der SG Ober-/Unterhausen teilen. Marc Petri vergab die große Chance auf den Sieg.

Als das Spiel offiziell zu Ende war, bot sich der HSG Böblingen/Sindelfingen doch noch die Chance, das Heimspiel gegen den TSV Dettingen/Erms zu gewinnen. In den gesamten 60 Minuten zuvor hatte der Landesliga-Spitzenreiter den rund 350 Zuschauern in der Sommerhofenhalle überwiegend ungenießbare Magerkost geboten und lag nicht ein einziges Mal in Führung. Zumindest der Kampf stimmte gegen Ende des Spiels, sodass nach einem groben Foul von Max Hartl an Achim Schwab die beiden guten Schiedsrichter Murat Ertugrul und Rico Fink (Leinfelden-Echterdingen) den Dettinger Akteur mit der Roten Karte vom Feld schickten und auf Siebenmeter entschieden.

Beim Stand von 28:28 schritt Marc Petri zur Linie, und je näher der HSG-Kapitän dem gegnerischen Strafraum kam, desto deutlicher erinnerte er sich an ein Heimspiel gegen die SG H2Ku Herrenberg II vor rund einem Jahr. Auch damals war das Spiel in der Böblinger Murkenbachhalle bereits zu Ende, als die HSG einen Siebenmeter zugesprochen bekam und sich Petri den Ball schnappte. Vor einem Jahr traf Petri nur den Pfosten, was gleichbedeutend war mit der 26:27-Niederlage. Dieses Mal hatte die HSG den Punkt bereits sicher, Petri scheiterte erneut. Seinen Siebenmeter lenkte Björn Ellinghaus um den Pfosten herum.

Während die Dettinger ihren Torhüter unter sich begruben, hätte sich Marc Petri am liebsten selbst irgendwo eingebuddelt. Sein Trainer machte ihm keinen Vorwurf, will ihm in ähnlicher Situation aber nicht mehr die Verantwortung übertragen. „Nicht, dass ich es Marc nicht zutraue, das dient allein seinem Schutz“, kommentierte Volker Blumenschein den Fehlwurf. „Auch wenn es komisch klingen mag: Ich bin froh, dass der Gegner den Punkt mitgenommen hat. Den hat sich Dettingen verdient.“

Über das Spiel seiner Mannschaft konnte Blumenschein nur den Kopf schütteln. „Ich weiß gar nicht, wo ich mit meiner Kritik anfangen soll“, war der HSG-Trainer bedient. Der TSV zeigte von Beginn an, dass er nicht nach Sindelfingen gekommen war, um sich aus der Halle schießen zu lassen und führte nach zehn Minuten mit 9:4. Vor allem mit der Leistung von Urs Bonhage, Markus Schwab und Stefan Trunk war Blumenschein gar nicht einverstanden: „Die drei wollen Führungsspieler sein, also müssen sie auch als solche auftreten.“ Aber auch mit dem Rest der Mannschaft war der Trainer der HSG nicht zufrieden: „Wir werfen den Ball reihenweise aus drei Metern dem Gegner genau in die Hände. Und unsere Torhüter halten zusammen in 60 Minuten acht Würfe des Gegners. Mit der Abwehr davor war das auch nicht weiter verwunderlich.“

Dass sein Team in der 21. Minute nach dem 11:11-Ausgleich von Achim Schwab zurück im Spiel war, „hatten wir nur unserer individuellen Qualität zu verdanken“, so Blumenschein. Die Aufholjagd änderte nichts am pomadig-phlegmatischen Auftreten der HSG. Mit einem 13:16-Rückstand wurden die Seiten gewechselt. Nach Wiederanpfiff rannten die Hausherren diesen drei Toren hinterher. Bei 17:18 (40.) und 20:21 (45.) war die HSG dran. Um dann aber weitere fünf Minuten später mit 22:25 hinten zu liegen. Entschieden schien das Duell schließlich in der 57. Minute, als Tim Bauknecht für die Gäste das 28:25 markierte.

Jetzt aber zeigte die HSG ihren besten Handball. Die gescholtenen Urs Bonhage und Stefan Trunk verkürzten auf 27:28, ehe Florian Müller 43 Sekunden vor dem Ende sogar zum 28:28 ausgleichen konnte. Als schließlich die Dettinger den Siegtreffer vergaben, bot sich Achim Schwab per Freiwurf, dann Marc Petri per Siebenmeter die Siegchance – mit bekanntem Ausgang.

HSG Böblingen/Sindelfingen: Meyer, Scheer (beide im Tor); Heinkele (3 Tore), Petri (2/davon 2 Siebenmeter), Trunk (3), Wild, Tischner (4), Bonhage (4), Fecker, Raff (1), Todt (3/davon 2 Siebenmeter), Achim Schwab (4), Müller (2), Markus Schwab (2)

Marc Petri vergibt den entscheidenden Siebenmeter. Bild: Photo 5

Quelle: SZ/BZ-Online