Handball: Marc Petri versagen die Nerven

Quelle: SZ/BZ-Online

Die Landesliga-Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen sind schon am vierten Saisonspieltag auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Nach der 26:27-Derbyniederlage in der proppevollen Böblinger Murkenbachhalle gegen die H2Ku Herrenberg II muss das Team von Volker Blumenschein vorerst kleinere Brötchen backen.

Die Schlusssirene war bereits ertönt. Nach kurzer Beratung entschied das Schiedsrichtergespann Lars Salles und Dominik Salles (TGV 1823 Eintracht Beilstein) auf Siebenmeter für die HSG Böblingen/Sindelfingen. Herrenbergs Dominik Horsch, der seine Hand um den Hals von Gegenspieler Fabian Leupolz gelegt hatte, musste mit der Roten Karte vom Platz. Verlieren konnte die SG H2Ku Herrenberg II bei eigener 27:26-Führung das Spiel zwar nicht mehr, die beiden Punkte würde Trainer Harry Sommer zu diesem Zeitpunkt aber nur allzu gerne mitnehmen. Nur noch der bis dahin sichere Siebenmeterschütze Marc Petri stand der Erfüllung dieses Wunsches entgegen. Aber dem Spielmacher der HSG versagten die Nerven im Duell mit Herrenbergs Torwart Nicolas Rhotert. Marc Petri traf nur den Pfosten. Während um ihn herum die Gästespieler im Siegestaumel wild umhersprangen, sank Petri in sich zusammen. Für seinen Trainer Volker Blumenschein war diese letzte Szene des intensiv geführten, aber nie unfairen Derbys die „bittere Krönung einer Partie, in der wir einfach viel zu viele Chancen haben liegen lassen. So muss man dann am Ende anerkennen, dass der Gegner das Spiel verdient gewonnen hat.“

So schwer dem HSG-Coach die Gratulation auch fiel, von Beginn an hinterließen die Gäste den besseren Eindruck. Auf Seiten der HSG Böblingen/Sindelfingen feierte der schmerzlich vermisste Urs Bonhage seinen Saisoneinstand und brauchte dabei kaum Anlaufzeit, um dem HSG-Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Drei der ersten fünf Tore seiner Mannschaft gingen auf das Konto des Rückraumschützen. Doch auch Bonhage konnte am 11:12-Pausenrückstand nichts ändern. Erst nach dem Seitenwechsel schienen die Hausherren auf Touren zu kommen und lagen in der 35. Minute mit 14:12 in Führung. Komplett wenden konnte die HSG das Spiel aber nicht, was Volker Blumenschein mit der mangelnden Konzentration erklärte: „Sobald wir auf dem richtigen Weg waren, haben wir mit einfachsten Fehlern den Gegner wieder aufgebaut.“

Dass es am Ende nicht zu einem Punktgewinn reichte, lag zum einen am schwachen Spiel über die Außen. Andererseits sah Volker Blumenschein den Grund für die Niederlage im Torwartduell. Während Herrenbergs Schlussmann Sven Rinderknecht etliche Würfe des Gegners entschärfte, waren Kevin Gsell und auch kurzzeitig Rafael Krypczyk gar kein Faktor. „Wieder einmal haben wir ein Torwartduell klar verloren“, sagte Blumenschein.

Durch die 26:27-Niederlage rutschte die HSG auf einen Abstiegsrang. Die SG H2Ku Herrenberg II hingegen hat sich mit 6:2 Punkten vorerst oben festgebissen. Sehr zur Freude von Trainer Harry Sommer: „Das war heute ein Krimi, den wir dank Torwart Sven Rinderknecht gewonnen haben. Vor so einer Kulisse mit unseren jungen Zwergen zu bestehen, ist einfach überragend.“

Volker Blumenschein schätzt die Lage nach der dritten Saisonniederlage realistisch ein: „Es ist kein Wunder, dass beide Teams dort stehen, wo sie jetzt eben stehen. In der Offensive müssen wir ganz schnell zulegen, ansonsten werden wir nicht viele Spiele gewinnen.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Gsell, Krypczyk, Meyer (alle im Tor); Heinkele (2 Tore), Petri (4/davon 3 Siebenmeter), Trunk (3), Root (3), Tischner (3), Batsching, Leupolz (1), Bonhage (6), Raff (3), Todt (1), Müller

SG H2Ku Herrenberg II: Rinderknecht, Rhotert (beide im Tor); Kohler, Freundt (7), Simon Klisch (3), Bökle (1), Böhm (1), Frank, Sebastian Klisch (1), Mezger (7), Horsch (4), Kussmann (2), Mößler (1/1)

Marc Petri am Boden, Jubel bei der SG H2Ku Herrenberg. Bild: Photo 5