Handball: Die Tabellenführung ist futsch

Den Landesliga-Handballern der HSG Böblingen/Sindelfingen scheint auf der Zielgeraden die Luft auszugehen. Gegen den VfL Pfullingen II zog das Team von Volker Blumenschein vor gut 400 Zuschauern in der Böblinger Murkenbachhalle mit 30:32 den Kürzeren und ist vor dem letzten Saisonspieltag nur noch Tabellenzweiter.

„Das lässt sich Ostfildern jetzt nicht mehr nehmen“, sagte Volker Blumenschein nach der bitteren Heimpleite gegen den VfL Pfullingen II niedergeschlagen. Der Trainer der HSG Böblingen/Sindelfingen war ob der Leistung seiner Mannschaft gegen den Tabellenvierten sichtlich bedient und sieht im Saisonendspurt die Felle davonschwimmen. Schlimmer noch als der Verlust der Tabellenspitze: Verliert die HSG am kommenden Samstag auch das Rundenfinale bei der SG Ober-/Unterhausen, wäre der Supergau perfekt. Dann würde auch die SG an Böblingen/Sindelfingen vorbeiziehen und dürfte in der Relegation versuchen, die Württemberg-Liga zu erreichen.

Gegen Pfullingen wollte die Blumenschein-Sieben genau diese Relegation als Minimalziel mit einem Sieg sichern, und das Unterfangen ließ sich zunächst auch ganz gut an. Zwar legten die Gäste durch Patrick Bauer das 1:0 vor, danach aber zog die HSG mit Tempo-Handball bis zur zehnten Minute auf 6:3 fort. Taktgeber war Frederick Todt, der in dieser frühen Phase gleich drei Treffer erzielte.

HSG kommt außer Tritt

Kurz davor aber hatte Markus Schwab die erste Zeitstrafe der Partie kassiert. Und diese zwei Minuten Pause für den HSG-Abwehrchef sorgten dafür, dass die Hausherren außer Tritt kamen. Pfullingen fand zügig zurück ins Spiel und machte aus einem 8:9-Rückstand nach 16 Minuten innerhalb von sieben Minuten eine 13:9-Führung. „Wir lassen uns von ein, zwei Entscheidungen gegen uns verunsichern. Immer wieder kommen einfachste Anspiele des Gegners an den Kreis durch. Dann muss man sich nicht wundern, wenn sich das Blatt wendet“, kam Volker Blumenschein aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Tatsächlich waren die Hausherren nun völlig von der Rolle. Schrittfehler wechselten sich mit schwachen Pässen, Problemen beim Fangen und Stürmerfouls ab. „Eine Viertelstunde waren wir klar besser, dann klappt auf einmal gar nichts mehr“, so Volker Blumenschein. Nicht einmal die Entscheidungen der Schiedsrichter gegen Pfullingen bewirkten in dieser Phase eine Veränderung. In der 26. Minute diskutierten Marc Vogelmann (TV Oppenweiler) und Markus Wußler (TV Großbottwar) nach hartem Foul von Markus Schwab beim Zwischenstand von 10:14 über eine Rote Karte für den HSG-Akteur, beließen es aber bei einer Zeitstrafe. Diese Entscheidung kommentierte Pfullingens Coach Dietrich Bauer mit den Worten „Eine klarere Karte gibt es nicht“. Die Unparteiischen stuften das als verbalen Angriff ein und ahndeten das nicht nur mit der Roten, sondern auch gleich noch mit der Blauen Karte, die eine weitere Strafe nach sich ziehen wird. Mit einem 12:18-Rückstand wurden schließlich die Seiten gewechselt.

Auch nach Wiederanpfiff änderte sich nichts am unkoordinierten Auftritt der HSG. Pfullingen musste weiterhin nicht viel machen, als den Ball zu Patrick Bauer bringen. Der überragende VfL-Spielmacher war entweder selbst erfolgreich oder gab die Vorlage zu einem Tor eines Mitspielers. In der 40. Minute und eigener 25:17-Führung sahen die Gäste in der Murkenbachhalle wie der sichere Sieger aus.

Plötzlich aber erwachte der Kampfgeist der HSG. Binnen vier Minuten und angeführt von Stefan Trunk und Silas Tischner waren die Gastgeber mit fünf Toren in Serie bei 22:25 auf Tuchfühlung dran und der Murkenbach wieder der bekannte Hexenkessel. Zwar fand der VfL mit drei eigenen Toren bis zum 28:22 die passende Antwort darauf. Danach aber stellten Frederick Todt (3) und Silas Tischner bis zur 54. Minute auf 26:28. Volker Blumenschein monierte dennoch: „Wir haben in dieser Phase unglaublich viel liegen lassen, hätten schon längst führen können.“ Auch über Markus Schwab, der in der 49. Minute nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah, ärgerte sich der HSG-Trainer: „Mit zwei mal zwei Minuten darf man nicht wegen Schuckens eine dritte Strafe kassieren.“

Noch einmal laut wurde es 57 Sekunden vor der Schlusssirene, als Marian Heinkele den 30:31-Anschlusstreffer erzielte. Im Gegenzug sorgte aber der Treffer von Dominic Greve zum 32:30-Endstand für betroffene Gesichter im HSG-Lager. Die Tabellenspitze war verloren, der Meistertitel und der damit verbundene direkte Aufstieg in die Württemberg-Liga wohl ebenso.

„Das war heute nicht gut genug“, konstatierte Volker Blumenschein kleinlaut. „Es ist einfach zu viel schief gegangen. Die Unerfahrenheit der Mannschaft war heute deutlich zu sehen. Zu viele Spieler haben heute keine gute Leistung gezeigt.“ Im Hinblick auf das Saisonfinale am Samstag bei der SG Ober-/Unterhausen malt der Trainer der HSG Böblingen/Sindelfingen bereits das Horrorszenario: „Jetzt holen uns die Niederlagen gegen Rietheim und Dettingen ein. Verlieren wir auch noch in Ober-/Unterhausen, stehen wir am Ende ganz ohne etwas da. Und das, nachdem wir die gesamte Saison über die Tabelle angeführt haben.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Meyer, Scheer (beide im Tor); Heinkele (1 Tor), Petri, Trunk (6), Matthias Root, Hofacker (1), Tischner (3), Bonhage (5), Fecker, Raff (2), Todt (10/davon 3 Siebenmeter), Müller (1), Markus Schwab (1)

Quelle: SZ/BZ-Online