Handball: Die kalte Dusche läuft 15 Minuten lang

Handball – Württemberg-Liga: HSG Böblingen/Sindelfingen – SV Leonberg/Eltingen 26:35 (10:17) / Die HSG liegt nach einer Viertelstunde vor 600 Zuschauern mit 2:10 hinten

Mit einer deftigen Abreibung haben sich die Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen in die fünfwöchige Winterpause verabschiedet. Vor knapp 600 Zuschauern in der heimischen Sommerhofenhalle hatte das Team von Harry Sommer bei der 26:35-Niederlage gegen den SV Leonberg/Eltingen nicht den Hauch einer Chance.

Wer am Samstagabend eine Viertelstunde zu spät in die Sommerhofenhalle gekommen ist, wird – zumindest ergebnistechnisch – ein absolut ausgeglichenes Derby zwischen der HSG Böblingen/Sindelfingen und dem SV Leonberg/Eltingen gesehen haben. Allerdings war das Kind aus Sicht der HSG zu Spielbeginn schon so tief in den Brunnen gefallen, dass es bis zur Schlusssirene nicht mehr herausfand. 2:10 lagen die Hausherren nach nur 15 Minuten zurück und wirkten dabei im Duell der Kreisnachbarn wie eine bessere Schülermannschaft. Ein Siebenmetertreffer von Frederik Todt und ein Tor von Marian Heinkele bekamen die „BöSis“-Fans zu sehen. Mehr kam nicht von den Gastgebern.

Ansonsten bestimmten der umsichtige Leonberger Regisseur Christian Auer, einst beim VfL Sindelfingen aktiv, sowie Rückraumspieler Lars Neuffer das Geschehen nach Belieben. Und natürlich Max Schneider. Der Gäste-Torwart reihte eine Parade an die nächste und raubte den HSG-Angreifern vom Start weg der Reihe nach das Selbstbewusstsein. Das hatte eine schnelle Auszeit von Harry Sommer bereits in der achten Minute zur Folge. „Wir haben gewusst, wie Max Schneider hält, aber wir haben genau dorthin geworfen“, haderte der „BöSis“-Trainer mit dem Abschlussverhalten seiner Spieler. Die fingen sich zwar nach der desaströsen Anfangsviertelstunde, rannten fortan aber immer einem deutlichen Rückstand hinterher. Zur Pause lagen die Gäste mit 17:10 komfortabel in Führung.

Dass ein Sieben-Tore-Vorsprung zur Pause aber nichts heißen muss, hatte die HSG im Hinspiel bitter erfahren müssen. Am zweiten Saisonspieltag spielte die Sommer-Sieben die vielleicht beste Halbzeit in dieser Runde, lag beim Seitenwechsel mit 15:8 vorne, ehe das große Flattern begann und Leonberg die Partie tatsächlich noch mit 25:24 gewinnen konnte. Auf einen ähnlichen Spielverlauf hoffte auch der Großteil der knapp 600 Zuschauer in der Sommerhofenhalle. Aber Leonberg/Eltingen dachte gar nicht daran, die Zügel etwas lockerer zu lassen. Das Team von Tobias Müller spielte, wie es der zweite Tabellenplatz auch erwarten ließ: geduldig und klug, konzentriert und zielstrebig. Ruckzuck lagen die Gäste mit 23:13 (39.) vorne.

Das Aufbäumen ist schnell vorbei

Das Aufbäumen war vorbei, ehe es richtig Fahrt aufgenommen hatte. Was auch immer Harry Sommer versuchte, es klappte nicht. Der ausgedünnte Kader gab einfach nicht mehr her. Die fehlende Spielintelligenz von Ingo Krämer und die schmerzlich vermisste Energie von Stefan Trunk konnte die HSG – zumindest nicht gegen ein Kaliber wie Leonberg/Eltingen – auffangen.

Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Dominic Horsch früh in der Partie, was die Möglichkeiten der Gastgeber noch zusätzlich einschränkte. Markus Schwab sprang in die Bresche, erzielte sechs teils sehenswerte Treffer aus der Distanz. Ohne Unterstützung von den Außenpositionen war an diesem Abend aber nichts zu holen. „Wir haben nur fünf Tore über außen erzielt“, sagte Harry Sommer enttäuscht.

Viele Würfe seiner Mannschaft blieben auch im zweiten Spielabschnitt an Max Schneider hängen. Der Leonberger Schlussmann sammelte bis zur Schlusssirene überragende 19 Paraden. „Max war endlich so gut, wie er es selbst von sich erwartet“, gab es ein dickes Lob von Tobias Müller. Auf der anderen Seite versuchten sich der Reihe nach Sven Rinderknecht, Daniel Meyer und Kevin Gsell im HSG-Tor, wussten aber nur bedingt Glanzpunkte zu setzen.

„Der Sieg geht sowieso, aber auch in der Höhe in Ordnung“, gab sich Harry Sommer nach der Schlusssirene als fairer Verlierer. „Gegen dieses Topteam waren wir in unserer Besetzung heute nicht konkurrenzfähig. Wir haben es auch nie geschafft, Tempo in unser Spiel zu bringen.“ Nun freut sich der HSG-Coach auf die Winterpause. „Wir stehen auf Rang fünf, das ist für einen Aufsteiger sehr gut. Mit der Entwicklung der Mannschaft bin ich generell zufrieden. Jetzt gilt es aber, den nächsten Schritt zu tun. Und wir müssen in den nächsten Wochen die Lücken im Kader schließen.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Rinderknecht, Meyer, Gsell (alle im Tor); Petri (1 Tor), Horsch (1), Tischner (5/davon 4 Siebenmeter), Fecker (1), Bonhage (3), Raff (2), Todt (6/2), Demaili, Müller, Markus Schwab (6), Heinkele (1)

Bild: Momente der Stille rund um Trainer Harry Sommer: Keiner spricht auf der Bank der HSG Böblingen/Sindelfingen – doch man kann das kollektive „Das gibt es ja gar nicht“ trotzdem fast hören. Bild: Automotorart

Quelle: SZ/BZ-Online