Fußball (Männer): Mit Max Maier kommt die Wende

Am Ende jubelte der Favorit aus Sindelfingen. So klar wie erwartet lief die Pokal-Partie bei Landesligist SV Böblingen aber nicht. In der ersten Hälfte fiel dem VfL wenig ein und der Außenseiter führte 1:0. Zur Pause wechselte VfL-Coach Maik Schütt Max Maier ein – und plötzlich lief es. Der Verbandsligist gewann am Ende verdient 3:1.

„Wäre das heute ein Punktspiel gewesen, hätte ich Max von Anfang an auflaufen lassen. Das habe ich der Mannschaft vor dem Spiel auch so gesagt“, entschuldigte sich Maik Schütt nach dem Spiel schon fast dafür, dass die Nummer 25 nicht von Beginn an auf dem Platz stand.

Vor immerhin rund 400 Zuschauern auf Platz 2 im Stadion an der Stuttgarter Straße biss sich der VfL lange die Zähne an den kompakt stehenden Böblingern aus: „Sindelfingen muss sich nach diesem Spiel mehr Sorgen machen als wir – zumal ja noch etliche Leistungsträger in meiner Mannschaft fehlen“, sagte SVB-Coach Thomas Siegmund nach dem Spiel.

In der Tat war beim VfL streckenweise Sand im Getriebe. In Sachen Spielaufbau war noch viel Langholz dabei – und darauf hatten sich die Böblinger nach druckvollem Sindelfinger Beginn schnell eingestellt. So gab es in den ersten 45 Minuten auch kaum Chancen.

Die seltenen Torgelegenheiten resultierten aus Standards. So auch bei der überraschenden Böblinger Führung, als der starke Marc Hetzel die SVB in der 18. Minute mit einem trockenen Schuss nach einem Eckball in Führung brachte. Der VfL hatte außer zwei gefährlichen Freistößen aus dem Spiel heraus nichts anzubieten. Blass blieb auch der ehemalige Böblinger Christian Mijic. So war die Laune bei der Halbzeit-Roten im Böblinger Lager deutlich besser als bei den Anhängern des VfL. Hatte Böblingens Coach Thomas Siegmund doch vor dem Spiel gegen den klassenhöheren VfL noch gesagt: „So klar waren die Rollen noch nie verteilt.“ Davon war in der ersten Hälfte nichts zu sehen. Auch Maik Schütt sagte: „Wir hatten aus dem Spiel heraus keine Chance. Böblingen hat die Räume gut zugemacht.“

Es bestand also Handlungsbedarf beim VfL. Schütt handelte und brachte Max Maier (Bild links: VfL Sindelfingen) für Matthias Bäuerle – und damit die Wende. Zwei Minuten nach der Pause vertändelte die SVB in der Vorwärtsbewegung den Ball, konnte den VfL-Angriff an der Seitenlinie nur durch ein Foul stoppen. Max Maier schnappte sich den Ball, zog die Flanke exakt auf Endrit Syla, der kraftvoll zum 1:1 traf (47. Minute).

Der Treffer gab den Sindelfingern Selbstvertrauen, die jetzt deutlich präsenter waren. Vor allem die Aktionen von Max Maier hatten Hand und Fuß. In der 60. Minute traf Maier bei einem Freistoß den Pfosten, zwei Minuten später rettete SVB-Kapitän Fabian Schragner im letzten Moment vor Oliver Glotzmann. Im Gegenzug konnte sich VfL-Torhüter David Kocyba nach einem starken Freistoß von Daniel Buscaglia auszeichnen. Die Zuschauer bekamen beim Derby durchaus etwas geboten. So auch in der 66. Minute. Max Maier läuft zur Ecke an und findet diesmal Timo Krauß, der eiskalt das 2:1 für den VfL besorgt.

Böblingen versuchte noch mal alles – und der VfL hielt dagegen. Auch mit unfairen Mitteln. Sascha Raich war mit Tempo durchs Mittelfeld unterwegs, als Florian Feigl ihn von hinten – ohne Chance den Ball zu treffen – umhaute. Hier hatten die Sindelfinger Glück, den Rest des Spiels nicht zu zehnt bestreiten zu müssen. Es gab lediglich die Gelbe Karte. Maik Schütt reagierte prompt, wechselte Feigl aus und brachte in der Schlussphase Martin Frick. Der war nur vier Minuten auf dem Platz und verdrehte sich prompt das Knie. Schütt: „Er konnte erst eine Woche trainieren. Vielleicht hätte ich ihn nicht einwechseln sollen. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes.“ Am Sindelfinger Pokalerfolg gab es nichts mehr zu rütteln. Bei der SVB ließen die Kräfte nach. Spätestens nach einem stark herausgespielten Konter, der von Oliver Glotzmann elegant zum 3:1 abgeschlossen wurde (81. Minute), war alles klar und der VfL in der nächsten Runde.

„Wir wollten eine Runde weiterkommen und das hat geklappt. Jetzt gilt die volle Konzentration dem Saisonstart am Samstag gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen.“ Sein Gegenüber Thomas Siegmund war mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden: „Wir haben uns teuer verkauft. Bitter ist allerdings, dass sich auch noch Dejan Dordevic verletzt hat. Das macht unsere ohnehin angespannte personelle Situation nicht gerade einfacher.“

SV Böblingen: Wolf, D’Urso, Buscaglia, Kalmbach, Köse (47. Minute Krajki), Dordevic (75. Minute Cunion), Kizilagil, Hornung, Schragner, Raich, Hetzel

VfL Sindelfingen: Kocyba, Sautter, Mijic, Feigl (75. Minute Frick/79. Minute Molitor), Balzer, Syla, Bäuerle, Glotzmann, Krauß, Mohr, Aleman Solis (72. Minute Klein)

Info

Der VfL Sindelfingen startet am Samstag, 15.30 Uhr, auf heimischem Platz gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen in die Verbandsliga-Saison. Die SV Böblingen eröffnet am Sonntag um 15 Uhr beim SV Nehren die Landesliga-Saison.

Steffen Müller spielte als Jugendlicher und als Aktiver hauptsächlich bei der SV Böblingen, außerdem beim TSV Schönaich und der Spvgg Weil im Schönbuch. Heute ist er noch regelmäßig bei den Freizeitkickern der Kanne Knobler am Ball.

Die Sindelfinger Führung. Timo Krauß (rechts) setzt sich gegen Fabian Schragner (links) und Dejan Dordevic (Mitte) durch. Bild: Photo 5

Quelle: SZ-BZ Online