Fußball (Männer): Martin Frick erlöst die Blau-Weißen

Die Negativserie der Verbandsliga-Fußballer des VfL Sindelfingen ist beendet. Mit einem 2:1 gegen den FV Löchgau feierte die Mannschaft von Maik Schütt den ersten Sieg 2017 und entledigte sich damit aller Abstiegssorgen. Dennoch fiel der Jubel nach dem Schlusspfiff verhalten aus.

50 Minuten waren gespielt, als die beiden Sindelfinger Martin Frick und Marcel Berberoglu, ohne aufeinander zu achten, einen hohen Ball aus der eigenen Abwehr anvisierten. Dabei übersprang Berberoglu seinen körperlich größeren Mitspieler, blieb an diesem hängen, knallte daraufhin halb mit der Schulter, halb mit dem Kopf auf den Rasen und griff sich sofort an seinen Kopf. Mit- und Gegenspieler eilten schnell herbei, genauso die Physios des VfL Sindelfingen und FV Löchgau. Sofort wurde der Notarzt herbeigerufen, der keine acht Minuten nach der Aktion bereits im mittlerweile mucksmäuschenstillen Floschenstadion ankam.

Zuschauer, wie auch die Trainer und Spieler blickten gebannt der Szenerie, die sich erst mit dem Abtransport des sichtlich angeschlagenen VfL-Akteurs in das Krankenhaus etwas normalisierte. Die Sorge um den Mitspieler blieb aber allerorten spürbar. Der Sportliche Leiter Thomas Dietsche merkte richtigerweise an: „Wenn wir danach in eine Schockstarre verfallen wären, hätte ich das auch verstanden.“

Die Verletzung, die sich erst weit nach Schlusspfiff „glücklicherweise nur als Gehirnerschütterung“, so Thomas Dietsche, herausstellte, lieferte aber auch das Motto für die verbliebene Spielzeit: „Für Berbe“ legten sich die Sindelfinger Spieler fortan ins Zeug und schafften es tatsächlich, den frühen 0:1-Rückstand doch noch in einen 2:1-Sieg zu wenden. „Die Reaktion der Mannschaft war überragend“, sagte Maik Schütt nach dem Schlusspfiff. Freuen konnte er sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht so richtig. „Die Gesundheit der Spieler steht über allem.“

Erst als im Laufe des Abends die halbwegs gute Nachricht die Sindelfinger Verantwortlichen erreichte, konnten auch diese ihrer Freude freien Lauf lassen. Denn nach sieben Spielen ohne dreifachen Punktgewinn war der Sieg gegen den FV Löchgau Balsam auf die zuletzt geschundene VfL-Seele. „Wenn man bedenkt, dass wir nach dieser Negativserie, dem frühen Rückstand heute und der Verletzung so zurückkommen, dann ist das Weltklasse“, sparte Thomas Dietsche nicht mit Superlativen.

Zu Beginn des Spiels war von der Klasse des VfL Sindelfingen aber nur wenig bis gar nichts zu erkennen. Zu fahrig in ihren Aktionen bekamen die Hausherren zunächst kein Bein auf den Boden – und lagen nach 18 Minuten mit 0:1 zurück. Giosue Tolomeo konnte unbehindert flanken, in der Mitte Marco Knittel frei stehend aus zehn Metern einköpfen.

Glück hatte der VfL in der 34. Minute, als ein Ballverlust von Kevin Schuster keinen weiteren Gegentreffer nach sich zog. David Kocyba rettete gegen Marco Knittel. Kurz darauf hatte Sindelfingen seine beste Torchance. Zuerst lenkte Löchgaus Torhüter Markus Brasch einen Schlenzer von Endrit Syla über das Tor. Die folgende Ecke landete bei Florian Feigl, in dessen Hereingabe Oliver Glotzmann seinen Fuß reinhielt, der Ball aber knapp über die Latte strich.

Nach Wiederanpfiff spielte sich das Geschehen, auch aufgrund der Verletzungspause, weitgehend im Mittelfeld ab. Als sich der VfL dann etwas gefangen hatte und sein Spiel wieder etwas in Richtung Löchgauer Tor verlagerte, wurde er prompt belohnt. Nach einem Eckball von Endrit Syla landete der Ball bei Florian Feigl. Der Sindelfinger Mittelfeldspieler legte den Ball am unmittelbar davor eingewechselten Raphael Sigloch vorbei, welcher sich nur noch mit einem Foul behelfen konnte. Der sehr gute Schiedsrichter Sven Pacher (FC Bräunlingen) zeigte sofort auf den Punkt. Endrit Syla schnappte sich den Ball und verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich.

Danach verflachte die Partie zusehends. Der VfL blieb zwar das etwas aktivere Team, richtig gute Torchancen wollten sich aber nicht mehr einstellen. Ein paar Halbchancen von Oliver Glotzmann und Keven Müller – mehr hatte der Gastgeber nicht mehr zu bieten. Noch harmloser waren die Löchgauer, bei denen Dominik Wolter in der ersten Minute der zwölfminütigen Nachspielzeit eher zufällig zum Abschluss kam, David Kocyba aber nicht überwinden konnte.

Das Spiel plätscherte auch in den zusätzlichen Minuten vor sich hin, und als sich alle bereits mit dem 1:1 abgefunden hatten, schlug der VfL tatsächlich noch einmal zu. Eine flache Freistoßhereingabe von Alexander Wetsch fand in der zehnten Minute der Nachspielzeit Martin Frick. Der Mittelfeldspieler legte sich den Ball kurz vor und schoss ihn aus zwölf Metern ins Netz – 2:1.

VfL Sindelfingen: Kocyba, Gans, Schuster, Klug, Berberoglu (59. Minute Aleman Solis), Wetsch, Feigl, Frick, Yorulmaz (70. Minute Müller), Syla (74. Minute Di Fabio), Glotzmann

Die Entscheidung: Martin Frick (rechts) trifft in der zehnten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 gegen den FV Löchgau. Florian Feigl ist der erste Gratulant. Bild: Zvizdiç

Quelle: SZ-BZ Online