Fußball: Den Abstand nach unten immer im Auge

Fußball — Verbandsliga: Nach drei Monaten Winterpause legt der VfL Sindelfingen mit dem Auswärtsspiel beim TSV Essingen am Samstag wieder los

Nach fast drei Monaten Winterpause begibt sich der VfL Sindelfingen ab Samstag wieder auf Punktejagd in der Verbandsliga. Beim TSV Essingen peilt die Mannschaft von Tobias Winter und dessen bereits fest stehenden Nachfolger, Co-Trainer Roberto Klug, gleich mal Zählbares an. Anpfiff im Schönbrunnenstadion ist um 14 Uhr.

Es hat sich einiges getan im Lager des VfL Sindelfingen über die fast dreimonatige Winterpause. Nicht nur, dass der VfL beinahe zum zweiten Mal die eigene Hallenfußball-Gala im Glaspalast gewonnen hätte – im Traumfinale zogen die Sindelfinger gegen den Rekordsieger SV Böblingen den Kürzeren –, auch der angekündigte Trainerwechsel zum Saisonende sorgte für einige Schlagzeilen (die SZ/BZ berichtete mehrfach). Ab Sommer übernimmt der jetzige Co-Trainer Roberto Klug den Chefposten von Tobias Winter, der damit nach nur einer Saison – einer bisher sehr erfolgreichen – wieder von dannen zieht. Was der scheidende Coach bis zu seinem letzten Spiel am 6. Juni aber tunlichst vermeiden will, ist, dass sein Abgang überhaupt noch thematisiert wird. „Meine sportliche Zukunft interessiert wirklich nicht. Und ich glaube auch nicht, dass sich das negativ auf meine Spieler auswirken wird. Die werden ganz sicher nicht samstags auf dem Platz stehen und meinen Abgang betrauern.“

Mit der Vorbereitungsphase auf die restlichen 15 Partien der Rückrunde – ein Spiel der zweiten Halbserie wurde schon absolviert – sind sowohl Tobias Winter als auch dessen Nachfolger zufrieden. „Wir hatten Glück mit dem Wetter, haben keines unserer Testspiele verloren und freuen uns nun darauf, dass es weitergeht“, zog der VfL-Chefcoach zufrieden Bilanz. Allerdings mit dem wichtigen Zusatz: „Fußball ist am Schönsten, wenn es um Punkte geht.“ Deren haben die Sindelfinger in bislang 17 Saisonspielen sehr ordentliche 28 gesammelt. Für Tobias Winter ist das dennoch kein Grund, sich nun darauf auszuruhen. „Zwei, drei Niederlagen, und man steckt wieder im Abstiegskampf“, fühlt sich der VfL-Trainer auf Tabellenplatz fünf sichtlich wohl. Das Polster auf den unteren Relegationsrang beträgt komfortable neun Punkte. „Diesen Abstand werden wir nie aus den Augen verlieren, egal wie weit oben wir im Klassement auch stehen.“

Deshalb will man gleich im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres ein Erfolgserlebnis einfahren. „Könnten wir aus Essingen einen Punkt mit nach Hause nehmen, wäre ich sehr zufrieden“, ist Tobias Winter guter Dinge. Und das obwohl er den Gegner als eine der stärkeren Mannschaften in der Verbandsliga einstuft. „Essingen hat ein mit ehemaligen Dritt- und Viertligaspielern gespicktes Team. Allerdings hatten sie sich auch mehr ausgerechnet als Rang acht und 24 Punkte. Ich würde es sofort unterschreiben, wenn unser Vier-Punkte-Vorsprung auf Essingen auch nach dem Duell am Samstag Bestand hätte.“

Gewöhnen wird man sich bei den Sindelfingern an ein im Vergleich zur Vorrunde verändertes Team. So steht unter anderem Abwehrchef Fabian Rupp nicht mehr zur Verfügung. Erst im vergangenen Mai zum VfL gestoßen, hat sich der 25-Jährige wieder in Richtung seines ehemaligen Vereins FV Illertissen in die Regionalliga Bayern verabschiedet. „Fabians Abschied, so sehr er uns menschlich und auch sportlich trifft, kam ja nicht überraschend“, so Tobias Winter. „Er hat immer mit offenen Karten gespielt und ist nun berufsbedingt wieder in die Heimat zurück.“ Dass mit Fabian Rupp damit auch der Kapitän von Bord geht, bereitet dem Sindelfinger Coach überhaupt keine Kopfschmerzen. „Wir haben Fabian im Sommer zum Kapitän ernannt, weil wir damals den Moment bewertet haben. Jetzt übernimmt sein Stellvertreter Florian Feigl, und er wird die Aufgabe genauso gut ausfüllen.“

Das Kartenhaus würde, so der VfL-Coach weiter, nicht zusammenfallen, nur weil ein paar Leute nicht mehr zur Verfügung stünden. „Wir sind mittlerweile sehr breit aufgestellt, sodass uns Abgänge, Verletzte oder Urlauber nicht aus der Bahn werfen.“ Diesbezüglich steht Tobias Winter für das Spiel in Essingen tatsächlich vor der Herausforderung, einige Spieler ersetzen zu dürfen. So wird neben Fabian Rupp auch Lucas Perez nicht mehr für den VfL auflaufen. Der talentierte Argentinier, im Sommer erst von den A-Junioren des VfL Nagold nach Sindelfingen zurückgekehrt, kehrt für immer in seine Heimat zurück. „Schade, Lucas war ein Spieler für die Zukunft“, bedauert Roberto Klug den Abgang seines Allrounders, „aber natürlich wünschen wir ihm alles Gute für seine Zukunft.“

Darüber hinaus können Mittelfeldmotor Samuel Mayer aufgrund eines ausgekugelten Zehs und Gjon Karrica wegen eines Bänderrisses vorerst nicht mitwirken. Und da sich Lars Jäger und Nico Dittrich im Urlaub befinden, darf Tobias Winter an seiner Startelf tüfteln. Erfreulich findet der VfL-Coach hingegen, dass Alexander Bachmann wieder zurück ist. Anfang August war bei der Nummer eins der Sindelfinger die Achillessehne gerissen. Nicht mal sieben Monate später hat Alexander Bachmann beim 8:1-Testspielsieg gegen Donaueschingen den Ernstfall geprobt – und diesen bestanden. „Phänomenal, wie sich Alex wieder zurückgekämpft hat.“ Das VfL-Tor wird vorerst allerdings weiterhin Michael Walz hüten.

Parallel zur Vorbereitung auf den zweiten Saisonabschnitt laufen bei den Sindelfingern auch schon die Planungen für die kommende Runde. Und in die ist Roberto Klug voll eingebunden. Die Gespräche mit dem aktuellen Kader seien schon weit vorangeschritten. „Der Stamm, das heißt viele Führungsspieler, bleibt zusammen“, bestätigt der zukünftige VfL-Trainer, ohne ins Detail zu gehen. Im Dialog sei man auch mit neuen Spielern. Dabei trudeln auch viele Initiativbewerbungen bei den Sindelfingern ein, die man genau sieben müsse. Natürlich habe man auch seitens der VfL-Verantwortlichen einige Wunschspieler im Auge. „In dieser Hinsicht müssen wir als Verein die Angel auswerfen“, so Roberto Klug. „Aber auch diese Gespräche entwickeln sich bislang gut.“

Bild: Sindelfingen Trainer Roberto Klug und Tobias Winter

Quelle: SZ/BZ-Online