Behinderten-/ Rehasport: Auf dem Weg zur Sportheldin 2017

Sport und Gesellschaft: Der SWR nominiert die Sindelfinger Tischtennis-Spielerin Sarah Kornau für die Wahl bei „Sport im Dritten“ / Im Internet kann man abstimmen.

„Mit Lebensretter Larry zurück an die Platte“ hieß die bewegende Geschichte aus dem Juli, die sich um Sarah Kornau dreht. Einer Organspende verdankt die 34-Jährige, dass sie nicht nur überlebt hat und heute unter anderem für den VfL Sindelfingen Tischtennis spielt, sondern bei den Weltspielen der Transplantierten sogar Medaillen für Deutschland holt. Der SWR hat sie für die Wahl zur Sportheldin 2017 nominiert.

Der Film ist im Kasten und steht für „Sport im Dritten“ schon zur Abstimmung auf der Internetseite. Für Sarah Kornau war der Dreh in der Ostheimer Grundschule in Stuttgart eine aufregende Nummer. Hier spielt sie montags „mit meinen Läufern vom Sportbund. Vom Auf- bis zum Abbau haben die Dreharbeiten fast sieben Stunden gedauert. Ich hab mir da nichts entgehen lassen und bin die ganze Zeit dabei geblieben. Hinterher war ich total erledigt“.
Aber genau das ist es, was Sarah Kornau genießt. Wenn sich der Körper auf diese Weise meldet, sei es nach einem Dreh, einem Training in Stuttgart oder in der Pfarrwiesenhalle in Sindelfingen, dann merkt sie, dass sie lebt – und das ist alles andere als selbstverständlich nach jenem Tag im November 2014. An einem wunderbaren Morgen ist sie plötzlich platt, „dann wurde mir übel“, erinnert sie sich. Die Leber versagt. Sie reinigt den Körper nicht mehr, sie schüttet Ammoniak aus.

Am Donnerstag legen die Ärzte sie ins künstliche Koma. Es wird Samstag, die Leber ist tot. Sarah Kornau weiß noch eines: „Ich wollte nicht an der Maschine sterben, ich wollte heim.“ Zwei oder drei Tage bleiben ihr maximal. Sonntagmorgens um 4 Uhr kommt die Nachricht: Die Spenderleber ist unterwegs. „Ich hatte Riesenglück. Vor allem mit meiner Blutgruppe. Null negativ, da gibt es selten ein Organ. Am Montag wäre ich tot gewesen.“ Aber es ist noch nicht überstanden: Der Körper mag seine neue Leber nicht, will diese abstoßen, wieder wird operiert, später droht sogar eine dritte OP. Der Professor ändert die Medikation – ab sofort wird vieles besser.

Sarah Kornau ist zurück im Leben mit ihrer Spenderleber, die sie Larry nennt. Sie fährt mit dem E-Bike von Tübingen bis zum Bodensee. Bei den Europameisterschaften der Transplantierten in Finnland holt sie mehrfach Edelmetall. Meist sitzt sie im Rollstuhl – auch, weil Medikamente die Knochen brüchig machen. Aber der Ehrgeiz bringt sie bis nach Málaga. Bei den Transplant World Games tritt sie wieder in verschiedenen Disziplinen an. Sie holt Bronze beim Darts – und als einzige Spielerin im Rollstuhl auch Bronze im Tischtennis.
50 Sportler aus dem wilden Süden standen bei „Sport im Dritten“ auf der ersten Liste. Fünf bleiben jetzt noch im engeren Kreis zur Wahl. „Ich freue mich mega“, sagt Sarah Kornau, „das ist für mich eine große Ehre.“ Vor allem ist es ihr wichtig, „dass die Themen Organspende, Sport und Behinderung positiv besetzt in die Medien kommen und sich die Menschen damit auseinandersetzen“. Und: Sarah Kornau möchte anderen Mut machen.

Normal ist ihr Leben beileibe noch nicht. Knochen bereiten ebenso Probleme wie Nerven. Im Rollstuhl sitzt sie schon lange und ist deshalb auch dabei, sich ihr Leben neu einzurichten. Eine barrierefreie Stelle für ihre Arbeit als Lehrerin gehört dazu, auch ein behindertengerechtes Auto. Gleichzeitig will sie aber unbedingt wieder zurück auf die Beine kommen – und arbeitet mit aller Kraft daran.
Genau dabei hilft ihr der Sport, der mit immer neuen Zielen immer neue Motivation mit sich bringt. „Ich wollte wieder Tischtennis spielen, dann die Radtour machen, später zu den deutschen Meisterschaften, dann zur EM und schließlich zu den Weltspielen. Der Sport hält mich und bringt mich weiter“, sagt Sarah Kornau und hofft, dass sie diesen Gedanken auch weiter nach außen trägt.

Jürgen Wegner berichtete im Juli auf einer Themenseite unter der Überschrift „Zwei aus Station 47“ über Sarah Kornau und die Magstadter Lehrerin Julia Lindheimer. Zusammen hatten sie an der Tübinger Uniklinik um ihr Leben gekämpft. Beide brachten von den World Transplant Games in Málaga Medaillen nach Hause.

Sarah Kornau bei den Weltspielen der Transplantierten in Málaga am Ball für Deutschland. Bild: Miguel Mérdia Nicolich

Sarah Kornau vor der Kamera in der Umkleidekabine. Bild: SWR Sport

Quelle: SZ-BZ Online